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Modellbildungssysteme im Physikunterricht

Es gibt viele Möglichkeiten den Bereich Multimedia im Physikunterricht einzubringen (siehe Mindmap).

Physik multimedial

Physik multimedial

Eigentlich eignen sich der mathematisch-naturwissenschaftliche Bereich hervorragend dazu, aber nicht nur  in diesem. Aus einem Mix an Werkzeugen habe ich für meine mündliche Prüfung in der Physikdidaktik die grafikorientierte Modellbildung (roter Zweig) ausgesucht. Dies aus mehreren Gründen:

  1. Ich arbeite gerne mit dem Computer und sehe ihn auch als notwendiges Werkzeug für spätere Generationen an. Der Umgang damit muss professionell geübt werden.
  2. Der Einsatz von Modellbildungssystemen verträgt sich gut mit einem offenen, schülerzentrierten Unterricht. Ich schätze mich selber eher so ein, dass ich diese Art von Unterricht besser unterstützen kann. Persönlich verspreche ich mir von einem schülerzentrierten Unterricht auch mehr Erfolge, auf Schüler- und auf Lehrerseite.
  3. Modellbilgungssysteme lassen sich gut auf andere Fächer/Bereiche übertragen. Man kann ebenso Prozesse aus der Wirtschaft, der Technik, Biologie, Chemie und Umwelt abbilden. Eine kleine Unterrichts-Sammlung findet man auf der Homepage vom Verein Systemdynamik im Unterricht. Also ein Werkzeug für viele Bereiche. Somit dürfte das Effizienzpotential sehr hoch sein, dies setzt aber auch einen konsequenten Einsatz voraus.
  4. Ich erhoffe mir eine höhere Akzeptanz und auch eine höhere Motivation der Schüler. Nicht alleine der Einsatz eines Modellierungssystems ist der Grund, sondern es könnten komplexere Aufgaben aus der Lebenswelt der Schüler behandelt werden, da der mathematische Aufwand beim Verwenden eines Modellbildungssystems eher in den Hintergrund rückt. Weiter könnte ich mir vorstellen aus einem ganzen Pool von Unterrichtsideen die Schüler selber auswählen zu lassen (zum Beispiel aus einer Ideen-Tag-Cloud; eigene Notiz: Diese Idee weiter konkretisieren.) Der Unterricht könnte so vielleicht noch mehr an den Interessen der Schüler angepasst werden. Das man solche Beispiele die  in der Welt der Schüler liegt, bringen sollte,  wusste bereits Galilei.

Was sind die Ziele beim Einsatz von Modellbildungssystemen im Physikunterricht?

Nach Horst Schecker gibt es drei verschiedene Art und Weisen, wie sich Modellbildungssysteme positiv auf den Unterricht auswirken können:

  • durch Betonung der grundlegenden begrifflichen Struktur der Physik (qualitatives Verständniss),
  • durch Einbeziehung komplexer Phänomene aus Natur und Technik, die die  physikalische Kompetenz stärker herausfordern (Lebensweltbezug),
  • durch mehr Möglichkeiten für Schüler zur Entfaltung ihrer eigenen Ideen (Schülerorientierung).

Es soll klar die Physik in den Vordergrund treten, was dadurch erreicht wird die Schüler von der Mathematik zu entlasten. Modellbildungssysteme dürfen auch nicht mit Simulationsprogrammen verwechselt werden, da in Simulationsprogrammen das physikalische Modell bereits enthalten ist. Es werden lediglich Parameter verändert. Bei einem Modellbildungssystem geht es um die Erarbeitung der physikalischen Beschreibung eines Vorganges – das Modell selbst.

Wie ist die systemdynamische Modellbildung zu verstehen?

fallschirmspringer

Die Grafik zeigt wie die Notation, wie sie im Modellbildungsprogramm DYNASYS verwendet wird.  Zu sehen ist ein Flußdiagramm eines Fallschirmspringers. Das Beispiel habe ich aus der Seite von Walter Hupfeld entnommen. Dort wird sehr gut beschrieben,  wie die einzelnen Elemente zu verstehen sind und es finden sich noch eine Modellsammlung als Anregung auch außerhalb der Physik. Im Prinzip gibt es nur vier Bausteine und zwar Zustandsgrößen (Rechteck), Änderungsraten (Pfeil mit „Ventil“ ), Einflußgrößen (Kreis) und Einflüsse (schmale Pfeile).  Was so aussieht wie ein Kleeblatt symbolisiert die Systemgrenze. Um ein Verständnis darüber zu bekommen, wie diese grafikorientierte Modellbildung funktioniert ist es erforderlich sich praktisch damit auseinander zu setzen. Mein Tipp dazu DYNASYS kostenfrei runterladen und die Modelle von Walter Hupfeld nachbilden. Das Einarbeiten geht recht flott. Den Nutzen erkennt man dann schnell, wenn man die Modelle nach seinen Bedürfnissen abändert.

Vielleicht ist es noch recht interessant zu wissen, dass die Systemdynamik (Forrester) ihren Ursprung im Bereich der Ökonomie (Logistik, Lagerbestände, Wirtschaftskreisläufe) hat. Dies ist ein weiteres Indiz dafür wie vielseitig solche Modellbildungssysteme einzusetzen sind.

Die Numerik dahinter

Was macht eigentlich ein ein Modellbildungssystem? Die Antwort ist recht primitiv: Sie nutzt Differenzengleichungen wie das Euler-Verfahren und das Runge-Kutta 2 oder 4 Verfahren. Ich gehe hier nicht weiter darauf ein, da die Verfahren sehr gut auf der Seite von Walter Hupfeld beschrieben sind. (Siehe Links zu den Verfahren oder unter dem Abschnitt Quellen Punkt 8.) Im Prinzip könnte man das Gleiche auch mit einem Tabellenkalkulationsprogramm durchführen. Erstens ist es nicht so anschaulich und zweitens will man ja weg von der Mathematik .(Was nicht heißen soll, die Mathematik aus dem Physikunterricht zu verbannen. Dafür ist die Mathematik zu sehr mit der Physik verheiratet.)  Der Schwerpunkt soll hier die physikalische Modulierung sein!

Wie wirkt sich der Einsatz von Modellbildungssystemen im Physikunterricht aus?

Es zeigt sich, dass allein durch den Computereinsatz und die Nutzung von Modellbildungssystemen kein besserer Unterricht zu erwarten ist. Dies hat mehrere Ursachen:

  • „Nur wenn Lehrer grundsätzlich – also unabhängig vom Computereinsatz – zu einer offenen Unterrichtsgestaltung bereit und methodisch in der Lage sind, kann das didaktische Potential der Modellbildung zur Entfaltung kommen.“
  • Einen Nutzen erhält man nur bei einem wiederkehrenden Einsatz von strukturorientierten Modellbildungssystemen
  • Damit sich die Schüler ein Meta-Wissen aneignen können muss der Unterricht so gestaltet sein, dass Zeit bleibt, um die Ergebnisse aus dem Modellbildungssystem zu reflektieren. Eine typische Frage wäre: „Auf welchem Wege sind wir eigentlich zu den Ergebnissen gekommen?“
  • Ein Unterrichtserfolg stellt sich eher dann ein, wenn die Lehrer die Unterrichtsschwerpunkte insgesamt – also nicht nur in den computergestützten Unterrichtssequenzen – von formalen Inhalten hin zur grundlegenden begrifflichen Durchdringung von Phänomenen verlangt.

Auf der Schülerseite waren zwei Grundtypen auszumachen, wie die Schüler an die Aufgaben mit dem Modellbildungssystem herangingen:

  1. Die eine Gruppe ist eher gleichungsorientiert, das heißt sie versucht Formeln wie s=1/2 g t² möglichst 1 zu 1 in das Modellbildungssystem einzusetzen. Die Parameter des Programmes werden durch probieren so lange angepasst bis es den Erwartungen entspricht.
  2. Die begriffsorientierte Gruppe versucht ausgehend von den physikalischen Begriffen Zusammenhänge verbal zu beschreiben und diese dann im Modell umzusetzen.

Angestrebt wird eine Begriffsorientierung da im Physikunterricht versucht werden soll den Schülern die physikalischen Zusamenhänge, also ein Meta-Wissen nahezubringen. Leider zeigen Langzeitstudien dass die gleichungsorientierte Gruppe zahlreicher ist. Dies liegt an der verbreiteten Einstellung physikalisches Wissen drücke sich vorrangig in Formelkenntnissen und Rechenfertigkeiten aus. Dadurch werden Unterrichtsinhalte hinsichtlich ihrer Beutung falsch gewichtet.

Im Großen und Ganzen geht diese Art des Unterrichts eher in die Richtung, weniger Formeln und Rechnungen zu mehr Gesprächen über physikalische Zusammenhängen. Weiter können auch komplexere Zusammenhänge wie Meteoritenbewegungen, Einschwingvorgänge oder im Projektunterricht gar einfache Atmosphärenmodelle angegangen werden. Hier zeigt sich auch eine weitere Stärke von Modellbildungssystemen und zwar kann es Fächerübergreifend eingesetzt werden. Wachstumsraten wie sie in der Biologie vorkommen können ebenso simuliert werden wie Umsatzentwicklungen in Betrieben.

Quellen:

  1. Von Horst P. Schecker, Physik – Modellieren, 1. Aufl., Naturwissenschaftliche Reihe (Stuttgart: Klett, 1998).
  2. Horst P. Schecker, “Modellbildung im Physikunterricht,” Institut für Didaktik der Naturwissenschaften, 2003, http://didaktik.physik.uni-bremen.de/cpu/mat_mbs/mod_mbs.htm.
  3. Hupfeld-Software, “Dynasys – Modellbildung und Simulation dynamischer Systeme,” Hupfeld-Software, 2009, http://www.hupfeld-software.de/pmwiki/pmwiki.php?n=Main.Dynasys.
  4. isee systems, “STELLA Education & Research,” isee systems — The World Leader in Systems Thinking Software, 2009, http://www.iseesystems.com/.
  5. Eichendorff-Gymnasium Koblenz, “Treibhauseffekt,” Web-Seite zum Treibhauseffekt der Klima AG des Eichendorff-Gymnasiums Koblenz, Mai 1997, http://www.uni-koblenz.de/~odsleis/klima/index.html.
  6. Raimund Girwidz, “Lerntheoretische Konzepte für Multimediaanwendungen zur Physik,” Physik und Didaktik in Schule und Hochschule (PhyDid) 1, no. 3 (April 28, 2004): 09-19.
  7. Systemdynamik im Unterricht,” Vereinsseite, Systemdynamik im Unterricht, 2008, http://www.sysdyn.ch/.
  8. Walter Hupfeld, “Modellbildung und Simulation dynamischer Systeme,” Modellbildung und Simulation dynamischer Systeme, Juni 11, 2008, http://zope.schulnetz.hamm.de/modsim/index_html.
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Web 2.0 in der Berufsschule (V)

Mit Hilfe von Weblogs kann die Kommunikation zwischen Auszubildenden, den Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule (im dualen Bildungssystem) mit wenig Aufwand realisiert werden.

Eigentlich die spannendste These. Und es gibt tatsächlich Blogs die von Auszubildenden geschrieben werden, die möchte ich doch gleich mal als Beispiele an den Anfang stellen. Ich habe die sechs Blogbetreiber angeschrieben und einige Fragen zu meiner These gestellt:

  • Würden Sie dieser These zustimmen?
  • Könnte man nach Ihrer Meinung die Ausbildungsnachweise durch ein täglich geführten Blog ersetzen?
  • Auszubildende könnten so auch eine „Visitenkarte“ mit als Bewerbungsmaterial anführen.

Die Antworten:

In der Vergangenheit wurde den Schulen immer wieder ihr Mangel an Flexibilität vorgeworfen. Aber wie sieht es in den Betrieben aus? Ich habe die 6 Betriebe oben zu meiner These befragt. Sicherlich beurteilen bloggende Unternehmen gegenüber „Web 1.0 Betrieben“ mit hoher Wahrscheinlichkeit die These unterschiedlich, aber eine ausführliche Umfage würde hier den Ramen sprengen.

Die erste Antwort der Firma DATEV als Zitat:

„Wir nutzen dieses Medium bisher primär dazu, Schüler/-innen über unsere verschiedenen Ausbildungsberufe zu informieren und einen Einblick in unsere Ausbildungsarbeit zu geben. (Anmerkung von mir: vergleiche hierzu auch den Artikel vom bildungsklick.de) Ziel ist es, Ausbildungsinhalte und Tätigkeiten näher zu erläutern, um den Jugendlichen eine genauere Vorstellung des jeweiligen Berufes zu vermitteln. Die informellere Umgebung soll dazu anregen, bei Fragen auf uns zuzukommen. Hiermit soll auch falschen Vorstellungen über den Beruf vorgebeugt werden. Natürlich ist es andererseits beabsichtigt, Interesse am jeweiligen Beruf zu wecken und das Unternehmen als innovativ und fortschrittlich zu präsentieren.

Nun zu Ihrer Frage, ob „Mit Hilfe von Weblogs [.] die Kommunikation zwischen Auszubildenden, den Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule (im dualen Bildungssystem) mit wenig Aufwand realisiert werden“ kann.

Aus unserer Sicht kann ein Weblog die persönliche Kommunikation zwischen den Beteiligten nicht völlig ersetzen, sondern ergänzend als modernes und informationsvermittelndes Medium dienen. Nicht alle für die Ausbildung relevanten Sachverhalte sind für die Öffentlichkeit bestimmt. So setzen wir für die Kommunikation zwischen unseren Auszubildenden intern ein Ausbildungsforum und ein Ausbildungswiki ein. Steht die Kommunikation im Vordergrund, so eignet sich unseres Erachtens ein Forum in einer Newsgroup besser, da ein Weblog in der Regel auf eine sehr begrenzte Autorenzahl ausgerichtet ist.

Die Ausbildungsnachweise durch einen täglich geführten Blog zu ersetzen, stellt prinzipiell eine gute Idee dar. Doch da bei Corporate Blogs die Gefahr der versehentlichen Veröffentlichung von Unternehmensgeheimnissen besteht, müsste jeder Blogbeitrag vor der Veröffentlichung von Verantwortlichen durchgelesen werden. Bei einer Vielzahl an Auszubildenden wird der Aufwand unverhältnismäßig groß.

Zweite Antwort der Firma INPROMO als Zitat:

Meine Ausbilderin hat den Blog intiiert und ich bin froh darüber, weil wir so sehr schön die Web 2.0  Welt kennenlernen können.

Eine Kommunikation zwischen Schule,  Betrieb und mir, wäre sicherlich was interessantes, jedoch nicht zu realisieren. Der Grund dafür ist, dass  wir alleine für unsere schulischen Leistungen verantwortlich sind, sprich unser Betrieb lässt uns da freie Hand.
Was die Lehrer davon halten würden…ich denke  mit jüngeren Lehrern, die offen für Neues sind, könnte man evtl. gut miteinander kommunizieren. Ich könnte es mir sehr gut bei einem Klassenblog vorstellen. Vorrausgesetzt natürlich, die Motivation kommt von beiden Seiten (Lehrer und Schüler).
Unserer Lehrer ziehen ihren Stoff mehr oder weniger trocken durch und sind froh wenn die Stunde vorbei ist. Zumindest kommt mir das bei einigen so vor. ;).“

Ich möchte mich hier noch einmal für die Beantwortung herzlich in aller Öffentlichkeit bedanken. Erhalte ich weitere Antworten der anderen Unternehmen, so werden diese hier erscheinen.

Zum Vergleich: Berichtshefte von 1959:

Berichtsheft 1Und wenn man beide Varianten miteinander vergleicht hier noch vier Seiten aus Berichtsheften von 1959 (technischer Zeichner). Die Berichte mussten wöchentlich geschrieben werden. Pro Woche eine Doppelseite. Von der Doppelseite eine Seite Tätigkeitsbericht, die andere Seite eine Zeichnung. Diese durfte als Handskizze oder als Bleistiftzeichung, nicht als Tuschezeichnung, ausgeführt werden. Zur Vollansicht auf die Bilder klicken.

Berichtsheft 3

Berichtsheft 2Berichtsheft 4

Die heutigen Ausbildungsnachweise sehen aber auch schon wieder anders aus…

Kommunikation zwischen Unternehmen, Schulen und Auszubildenden; wie es sein könnte:

Meine Idee wäre es Auszubildenden die Wahl zu lassen zwischen Ausbildungsnachweisen und Blogs zu schreiben. Allerdings würde ich darauf hinweisen, welche Vor- und Nachteile die einzelnen Varianten hätten. Ich gehe auch davon aus, dass Ausbildungsnachweise schreiben für die meisten Auszubildenden ein graus ist und dies mit Sicherheit für Lehrlinge im handwerklichen Bereich. Ich versuche mich nun einmal aus der Sicht eines Auszubildenden mir die Vor- und Nachteile der beiden Varianten gegenüberzustellen:

Vorteile klassischer Ausbildungsnachweis:daumen hoch

  • Wenn die Unterschrift für die Woche drunter steht ist die Sache vergessen,
  • geringst möglicher Aufwand für eine „öde Sache“,
  • wenn ich mich verschrieben habe sieht das nur mein Ausbilder und ich kann den Fehler ohne mich zu outen korrigieren,

Nachteile klassischer Ausbildungsnachweise:daumen runter

  • Was in den Ausbildungsnachweisen steht interessiert sowieso niemanden, (warum denn dann überhaupt schreiben?)
  • völlig unmotivierend
  • ich kann damit nichts anfangen, (außer, dass ich diese Nachweise für meinen Abschluss brauche)

Vorteile Blognachweis:daumen hoch

  • Ich kann ein gut geführten Blog auch als Visitenkarte / „Arbeitsprobe“ benutzen und in einer Bewerbung darauf hinweisen. Wenn ich mich über das Internet bewerbe sogar darauf verlinken.
  • viele kreativen Möglichkeiten (man muss sie aber kennen)
  • Ich kann mich mit anderen über meine Ausbildung unterhalten (Feedback von Ausbildern, Auszubildenden, …)

Nachteile Blognachweis:daumen runter

  • Ich darf mir keine Fehler erlauben (ich denke dies wird subjektiv so empfunden),
  • Jeder kann das sehen (man kann diesen Punkt auch als Vorteil ansehen, kommt auf den Standpunkt an),
  • ich kann das nicht (Hemmschwelle).

Nachdem ich nun in die Mokassin eines Auszubildenden geschlüpft bin bleibt noch zu bemerken, das diese Vor- und Nachteile durchaus sehr unterschiedlich wahrgenommen werden können. Eine extrovertierte Persönlichkeit sieht eher die Vorteile als eine introvertierte Persönlichkeit, hinzu kommen auch Vorkenntnisse etc.

Ein entscheidender Punkt wird dabei sein, ob man ein Blog freiwillig schreibt oder ob das Führen eines Bolgs aufdiktiert wird. Daher könnte ich mir eine (freiwillige) Probezeit von einem halben Jahr (Schulhalbjahr) gut vorstellen. Es gehört ohne Zweifel auch Fingerspitzengefühl von kommentierenden Lehrern oder Ausbildern dazu den Auszubildenden nicht in aller Öffentlichkeit durch Kommentare runterzuputzen. An diesem Punkt ist man genau wieder beim Kompetenzlernen angelangt (siehe Web 2.0 in der Berufsausbildung IV) dies gilt für beide Seiten, Ausbilder sowohl Auszubildender. Wie oben von der Firma DATEV richtig bemerkt besteht die Gefahr, dass ungewollt Firmeninterna an die Öffentlichkeit geraten. Hier muss entschieden werden wie dies zu verhindern ist. Eine Möglichkeit besteht darin die Blogs nur für einen bestimmten Personenkreis zugänglich zu machen. Die Lösung der Firma DATEV interne „Azubi-Foren“ und „Azubi-Wikis“ einzusetzen ist meiner Meinung nach sehr innovativ gedacht. Für große Unternehmen, die ggf. auch noch überregional oder gar international agieren mit Sicherheit zukunftsweisend, vergleiche auch den Beitrag von Tim Schlotfeld Voraussetzungen für die Einführung von Knowledge Blogs in Organisationen und Wikis, RSS und andere Dinge im Unternehmen.

Die Umsetzung eines solchen „Projektes“ bedarf auch einige Voraussetzungen:

  • Lehrer und Ausbilder müssen sich mit diesem Medium auskennen und auch deren möglichen (Aus-) Wirkungen kennen.
  • Der Betrieb, das Unternehmen muss grundsätzlich dafür offen sein!
  • Die Industrie- & Handelskammer muss dieser Art von Ausbildungsnachweis zustimmen (Sicherlich mal interessant nachzufragen. Was dabei wohl rauskommen würde?)
  • Jeder in einem Ausbildungsjahr und/oder einer Berufsschulklasse muss am Arbeitsplatz Zugang zum Internet haben.

Vorläufiges Fazit:

Das Blogs für Azubis funktionieren zeigen die oben aufgeführten Beispiele. So wie ich mir den Einsatz von Blogs in der Ausbilung vorstelle existieren leider noch nicht. (Oder ich habe sie in den Weiten des Internets nicht gefunden.) Wer hier ein Konzept entwickelt der leistet echte Pionierarbeit und erst dann kann man die obige These verifizieren.

Why do I blog this?: Obwohl ich schon mit meiner ALK durch bin möchte ich diese Serie abschließen. Offene und angekündigte Sachen sind meiner Meinung nach peinlich und irgendwann auch unglaubwürdig. Außerdem interessiere ich mich für das Thema, da ich großen Spaß hätte solch ein Projekt im Detail zu entwerfen und zu begleiten. Vielleicht ergibt sich auch mal eine überregionale Zusammenarbeit. Das Zeitalter der Globalisierung ist längst angebrochen. Das moderne Klassenzimmer hört, meiner Meinung nach, nicht mehr an der Tür auf…

An meiner grafischen Darstellung muss ich auch noch feilen. Die Bilder rutschen nie dorthin, wo ich sie haben will.

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Web 2.0 in der Berufsschule (IV)

Kompetenzen lassen sich hervorragend mit Web 2.0 Tools entwickeln!
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Im Buch lesen



Lesen Sie im Buch

Diese These ist nicht mehr so eindeutig zu beantworten. Es gibt mit Sicherheit auch unterschiedliche Auffassungen dazu. Ich stütze mich in erster Linie auf das Buch von John Erpenbeck und Werner Sauter: Kompetenzentwicklung im Netz; New Blended Learning mit Web 2.0. Das Buch ist meiner Meinung nach sehr strukturiert aufgebaut. Das erste Kapitel gibt einen Überblick darüber was das Buch will. Der zweite Kapitel beschäftigt sich mit den Grundlagen, was denn Kompetenzen, Werte, Wissen, Qualifikationen sind und wie sie vermittelt werden. Zu der Kompetenz- und Wertevermittlung werden mehrere Konzepte vorgestellt. Kapitel drei zeigt die Potentiale und Philosophie der Kompetenzvermittlung von Web 2.0-Instrumenten auf und schließlich wird im vierten Kapitel Kompetenzentwicklung im Netz mit Blended Learning und Social Software vorgestellt. Zwei weitere Kapitel über Kommunikationsinstrumente im Netz und Kompetenzentwicklungssysteme mit Blended Learning und Social Software (KOBLESS) folgen noch.

Wer sich im Netz nach Anwendungen von Web 2.0 Werkzeugen in der Schule umsieht, findet in erster Linie technische Hinweise, wie z.B. Wikis, Blogs, Podcasts erstellt werden. Nur selten habe ich, wie auch Werner Prüher in seinem Artikel Wikis in der Berufsschule (Teil 5), Anwendungsbeispiele die auch noch didaktisch begründet sind gefunden. Daher ist das Buch von Erpenbeck und Sauter durchaus demjenigen zu empfehlen, der sich in die Grundlagen einarbeiten möchte, um sich rechtfertigen zu können warum er denn Web 2.0 Werkzeuge im (Berufsschul-) Unterricht einsetzt. Ebenso sei die Diplomarbeit von Werner Prüher (lernen heute) empfohlen.

Im weiteren werde ich punktuell Stichworte aufgreifen, die ich für eine Kompetenzentwicklung im Netz für wichtig erachte. Dabei lasse ich mich von der gegebenen Buchstruktur leiten und ergänze sie gegebenenfalls.

Ausgang:

Die gedankliche Verkürzung des Lernens auf die Aneignung von Sach- und Fachwissen, von Fertigkeiten und Qualifikationen ist eine folgenschwere Bürde für unser heutiges Lernen- und Zukunftsverständnis. Sie entstand im großen Umfang mit der hoch arbeitsteiligen industriellen Produktion in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und mit der „Zurichtung“ des Menschen für diese Produktion, als Rädchen im industriellen Getriebe, bis hin zum Handgriffautomaten im Taylorismus. Trotz aller reformpädagogischen Bestrebungen, aller wahrlich kompetenzorientierten Ansätze der Montessori und Co. blieb dieses verkürzte Lernverständnis lange, ja weitgehend bis heute erhalten: Der Lehrer füttert die Lernenden mit Wissensbröckchen bis zur Übersättigung; vieles davon wird unverdaut ausgeschieden, einiges davon als Wissensspeck abgespeichert.

(Quelle: Erpenbeck, Sauter, 2007 S. 1)
Was sind Werte?

Wert(e) ist ein in der Philosophie verwendeter Begriff und wird u. a. in der Wertphilosophie und Wertethik behandelt. Werte bestimmen die Bevorzugung einer positiven Handlung vor einer anderen auf Grundlage von Gründen, Normen, Ergebnissen einer (vorherigen, positiven) Handlung. Die Handlungen beziehen sich auf einen Gegenstand, eines Sachverhaltes oder einem andere(n) Wert(e).

Werte bestimmen unser Denken und Handeln in nahezu allen Situationen. Der Mensch richtet sich, oft mehr ahnend als wissend, danach, welchen Genuss, Nutzen, welches ethische Gefühl oder welche politische Bestärkung ihm sein Handeln zu vermitteln vermag. Ohne Werte wäre der Mensch nur ein wissensgesteuerter Automat. Einige grundlegende Bedeutungen von Werten sind:

  • Werte sind Bezeichnungen dafür, „was aus verschiedenen Gründen aus der Wirklichkeit (Realität)hervorgehoben wird und als wünschenswert und notwendig für den auftritt, der die Wertung vornimmt, sei es ein Individuum, eine Gesellschaftsgruppe oder eine Institution, die einzelne Individuen oder Gruppen repräsentiert.“ Werte sind Resultate aus „Werteprozessen“.
  • Werte verknüpfen das Beziehungsfeld Objekt der Wertung, Subjekt der Wertung, Grundlagen der Wertung und die Maßstäbe der Werte. Das Resultat dieser Verknüpfung ist wiederum ein Wert.
  • Es gibt eine Fülle von Werten die sich auf die Wertung von Genuss (hedonistisch), Nützlichkeit (utilitarisch), Schönheit (ästhetisch), Moral (ethisch-moralisch), Politik (politisch-weltanschaulich) beziehen können.
  • Werte werden im Konstruktivismus und in der Synergetik beschrieben. „Die Synergetik fasst Werte als Ordnungsparameter (Ordner) individuellen und sozialen Handelns unter der dargelegten prinzipiellen kognitiven Unsicherheit auf.BildungsWiki

Eine (diese) Begriffsbestimmung habe ich auch auf dem BildungsWiki eingestellt. Wer mag kann ihn gerne ergänzen.

Warum sind Werte für die Kompetenzbildung wichtig?

Das lässt sich kurz (aber plakativ) beantworten: Ohne Werte gibt es kein kompetentes Handeln! Werte sind unsere sogenannten Ordner. Nach ihnen richten wir unser Handeln. Wollen wir unser Handeln ändern, brauchen wir neue oder angepasste Werte. Um bewerten zu können, ob man Kompetenzen mit Web 2.0 Werkzeugen erlernen kann, muss man verstehen wie man sich generell Kompetenzen aneignet und was Kompetenzen überhaupt sind. Und wenn es ohne Werte kein kompetentes Handeln gibt muss man verstehen, was Werte sind und wie man sie lernt und lehrt . (Erpenbeck, Sauter, 2007 S. 22)

Wie eignet man sich Werte an? (Modelle der Wertaneignung)
Es gibt verschiedene Modelle wie Menschen sich Werte aneignen, bzw. sich alten Werten entledigen und neue Werte annehmen. Dazu gehören folgende Modelle, die ich nur aufführe aber nicht weiter im Detail beschreibe:
  • Wertaneignung unter allgemeinphsychologischer Betrachtung,
  • Wertaneignung nach der Psychotherapieforschung,
  • Wertaneigung mit Gruppendynamik.

Um zu verstehen, wieso Werteaneignung für die Kompetenzbildung wichtig ist muss man den Interiorisations- und Exteriorisationsprozess (auch Internalisierung) von Werten verstehen. Dazu habe ich aus Erpenbeck, Sauter, 2007 S. 60f diesen Prozess nachvollzogen.

Interiorisationsprozess

Orientierungsphase 1:
im Ausgangspunkt steht ein Konflikt indem man einen „alten“ Wert überprüft, ob er in einer neuen Situation übernommen werden kann. Man kann diese Konflikte aufteilen in: Gegenstandskonflikte, Partnerkonflikte, Gruppenkonflikte und Sozialkonflikte.
Orientierungsphase 2:
Die Probleme/Konflikte werden als Widerspruch in der eigenen Wahrnehmung, Urteilsbildung im Denken, Lernen und Kommunizieren wahrgenommen.
Unzufriedenheitsphase:
Der Widerspruch führt zu einer psychischen Labilisierung, zu einer kognitiven Dissonanz oder auch inneren Widerspruch. Hier liegt eine zentrale Bedeutung für echtes Lernen! Diese notwendige Dissonanz ist der Motor fürs Lernen. Je größer die Dissonanz je größer sind die damit verbundenen Emotionen und je tiefer geht der Internalisierungsprozess.
Lösungsphase 1:
Durch Konflikte entstehen Emotionen und Motivationen. Kognitive Inhalte werden stets emotionalen Aspekten gespeichert. Sie sind ebenfalls unverzichtbar für den Internalisierungsprozess.
Lösungsphase 2:
Beinhaltet die Änderung oder Entstehung neuer emotional-motivationaler Wertungen.
Produktivphase:
Testweise werden adaptiv oder neu entstandene Wertungen durch Kommunikation oder physisches Handeln ausprobiert.
Beendigungsphase:
Das Resultat wird als Wert in der Kommunikation oder im physischen Handeln übernommen oder es kommt wiederum zu einem neuen Konflikt der seinerseits als Ausgangspunkt des Interiorisationsprozesses steht.
Was sind Kompetenzen?

Es besteht ein Konsens der meisten Autoren darüber, dass keine allgemein verbindliche Definition von Kompetenz vorliegt und es auch verfehlt wäre, ein einheitliches Verständnis, verbindliche Bestimmung und entsprechende Messverfahren zu erwarten.

Definition von Peter Kappelhoff:

„Kompetenzen sind evolutionär entstandene, generalisierte Selbstorganisationsdispositionen komplexer, adaptive Systeme – insbesondere menschlicher Individuen – zu reflexivem, kreativem Problemlösungshandeln in Hinblick auf allgemeine Klassen von komplexen, selektiv bedeutsamen Situationen (Pfade).“

Nach Erpenbeck/Sauter kann man gar einen Kompetenzatlas aus vier Grund- oder Basiskompetenzen entwickeln (Erpenbeck, Sauter, 2007 S. 71):

-Personale Kompetenz sind reflexiv in Bezug auf seine eigene Person,
-Aktivitätskompetenz; mehr oder weniger aktiv,
-Fachlich-methodische Kompenz, in Bezug auf Sachverhalte,
-Sozial-kommunikative Kompetenz, in Bezug auf Andere.

Aus diesen vier Basiskompetenzen lässt sich ein Kompetenzatlas mit 64 Kompetenzbegriffen entwickeln. Dies dient dazu um einen sinnvollen Überblick über die Fülle an teilweise degenerierten Kompetenzbegriffen zu bekommen. (Erpenbeck, Sauter, 2007 S. 72f) Kompetenzen sollen in der Bildung auch messbar sein, um Entwicklungen bei Schülern, Studenten oder Mitarbeitern zu erkennen. Bzw. liegt es auch im eigenen Interesse seine Entwicklung zu erkennen (Feedbackinstrument).

Speziell unter Handlungskompetenz versteht man wie in den einzelnen Rahmenlehrplänen der Ausbildungsberufen erläutert und somit von der KMK definiert:

„Diese wird hier verstanden als die Bereitschaft und Fähigkeit des einzelnen, sich in gesellschaftlichen, beruflichen und privaten Situationen sachgerecht, durchdacht sowie individuell und sozial verantwortlich zu verhalten.“

Wie können mit Social Software Kompetenzen vermittelt werden?

Es kommt darauf an, mit welcher Social Software man arbeitet. Entscheidend ist immer dabei das Dissonanz-/Labilisierungspotential der Werkzeuge. Vier Instrumente mit ihren Dissonanz-/ Labilisierungspotential (nach Erpenbeck, Sauter, 2007, S.141 f.) habe ich unten in einer Tabelle aufgelistet. Noch einmal zur Erinnerung werden im Prozess der Wertevermittlung (Interiorisationsprozess, Internalisierung) immer auch Kompetenzen vermittelt. Der Hebel liegt dabei in der Unzufriedenheitsphase (Labilisierung). Das kann man sich so vorstellen: In einer Kommunikation kann eine Dissonanz oder mehrere Dissonanzen intern (im Individuum) oder extern auftreten. Da die Dissonanz gleichzeitig auch eine Motivation / Emotion auslöst versucht die Person wieder ein Gleichgewicht herzustellen indem es nach neuen Werten sucht. Siehe, wie eignet man sich Werte an? Die unterschiedlichen Web 2.0 Instrumente sprechen unterschiedliche „Wertesysteme“ an, die mit den Grundkompetenzen korrelieren.

Web-2.0-Werkzeuge

Die einzelnen Instrumente unterscheiden sich teilweise sehr stark in ihren Möglichkeiten. Zum Beispiel bietet oneview gegenüber del.ico.us meiner Meinung nach bessere Kommunikationsmöglichkeiten, somit eignet sich oneview besser für den Bildungsbereich. In Zukunft ist aber damit zu rechnen, das diese Instrumente weiter entwickelt werden und demzufolge nach und nach immer besser den Lernprozess begleiten können.

Wikis

Ich möchte hier nur das Wiki anreißen. Tim Schlotfeld weißt ebenso darauf hin, das sich Wikis hervorragend zur Wissensgenerierung eignen. Wikis sind besonders prädistiniert für die Basiskompetenzbildung im sozial-kommunikativen Bereich allerdings haben sie, wie man aus der Tabelle entnehmen kann, durchaus Potentiale in den anderen Kompetenzbereichen. Wer schon einmal versucht hat in Wikipedia einen Artikel zu schreiben weiß um die Komplexität dieses Vorganges (Vergleiche hierzu auch den Artikel: Ein Eintrag in der Enzyklopädie Wikipedia: Wie geht das eigentlich? von Helge Städtler). Man muss sich mit anderen Autoren auseinander setzen, diskutieren, Regeln einhalten. Dabei wird die Internalisierung häufig durchlaufen.

Es gilt nun passende Web 2.0 Werkzeuge für die gezielte Förderung von Kompetenzen ein zu setzen. Dabei ändert sich der Lernprozess grundlegend von dem was man bisher in der Schule kennt. Es gilt nun Wege zu finden diese modernen Lernmethoden für den Bildungsbereich nutzbar zu machen. Dazu gibt es im nächsten Beitrag ein oder zwei Beispiele….

Why do I blog this? Als Vorbereitung für meine ALK. Irgendwie habe ich aber nun auch das Gefühl, dass dieser Beitrag einfach zu lang ist. Ich glaube das wird sich kein Mensch durchlesen. Daher muss ich zusehen meine nächsten Artikel kürzer zu fassen.

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Eingeordnet unter Berufsbildung, Web 2.0

Web 2.0 in der Berufsschule (III)

Zu meiner ersten These:

Durch die steigende Bedeutung des Web 2.0 sollte das Thema auch in der beruflichen Bildung thematisiert werden!

Mein dreieinhalb Jahre alter Sohnemann würde sagen: „Ist so!“ Ich möchte es aber doch ein wenig ausführlicher tun. Darum gibt es erst einmal Fakten, die ich im Netz gefunden und bei oneview gesammelt habe.

Für ganz eilige: Die Statistiken aus den Jahren (2007/2008) vom DGFP, MARCEL BERNET und BITKOM lassen einen deutlichen Trend erkennen, dass zum einen Unternehmen ein Interesse an Web 2.0 Werkzeugen haben, zum anderen aber die Erfahrung im Umgang mit diesen Werkzeugen noch in den Kinderschuhen stecken. Die BITKOM Studie zeigt auf, dass Jugendliche im Alter zwischen 12 und 19 Jahren ein reges Interesse am Internet besitzen und insbesondere der sorglosen Umgang mit online-Netzwerken zu bedenken ist. Das deutsche online-Netzwerk StudiVZ hat nach einem Pressebericht von nielsen-online im Zeitraum Jan. 2007 bis Nov. 2007 eine Wachstumsrate von 333,5 %!!

Durch diese Daten kann berechtigt behauptet werden, dass das Web 2.0 durchaus in der Berufsschule thematisiert werden kann. Einmal wegen der zunehmenden Bedeutung dieses Mediumbereiches und außerdem im Umgang damit. Somit sehe ich meine erste These begründet.

Im einzelnen habe ich die Kernpunkte der Studien unten aufgelistet, wer es noch genauer nachlesen möchte kann den Links folgen.

DGFP LogoDie deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V hat eine Umfrage von 53 Betrieben aus unterschiedlichen Branchen und Mitarbeiterzahl zum Thema Web 2.0 im Personalmanagement befragt.

Hier die gestellten Fragen:

  • wie sie die Chancen und Risiken des Web 2.0 beurteilen,
  • ob sie Web-2.0-Anwendungen heute schon im Personalmarketing, in der Aus- und Weiterbildung oder im Wissens- und Projektmanagement einsetzen beziehungsweise, ob sie sich vorstellen können, das in Zukunft zu tun,
  • welche Web-2.0-Anwendungen sie nutzen beziehungsweise sich vorstellen können, künftig zu nutzen,
  • welche Erfahrungen sie bisher mit Web-2.0-Angeboten im Personalmanagement gesammelt haben und
  • wie sie die zukünftige Bedeutung des Themas Web 2.0 für das Personalmanagement einschätzen.

Die Antworten wurden wie folgt auf den Punkt gebracht, Zitat:

  • Das wichtigste Ergebnis ist zunächst: Das Thema Web 2.0 ist noch längst nicht in allen Personalabteilungen angekommen. Bislang nutzen erst einige wenige Vorreiter im Personalmanagement Web-2.0-Anwendungen. Doch die Mehrheit der befragten Personalmanager zeigt sich den neuen technischen Möglichkeiten gegenüber sehr aufgeschlossen.

  • Positiv sind die Erfahrungen jener Personalmanager, die bereits über konkrete Erfahrungen mit Web-2.0-Angeboten im Personalmanagement verfügen.

  • Die Beurteilung der einzelnen Web-2.0-Tools fällt differenziert aus: Während einige Anwendungen (z. B. Online Communities) für eine Vielzahl von Personalmanagement-Aufgaben genutzt werden können, ist der Anwendungsbereich für andere Web-2.0-Tools eher eingeschränkt. So können virtuelle Welten wie Second Life zwar neue Wege im Personalmarketing eröffnen; nach Einschätzung der befragten Personalmanager eignen sie sich jedoch weniger für die betriebliche Aus- und Weiterbildung oder das Wissens- und Projektmanagement.

  • Vielen Personalmanagern fällt es schwer, zum jetzigen Zeitpunkt bereits die Chancen und Risiken des Web 2.0 für das Personalmanagement einzuschätzen. Sie erhoffen sich in erster Linie einen Effizienzgewinn für die betriebliche Information und Kommunikation. Dass durch die Nutzung von Web-2.0-Anwendungen das Unternehmensimage beschädigt werden könnte, befürchten die wenigsten Befragungsteilnehmer.

  • Schon in den nächsten drei Jahren wird das Thema Web 2.0 nach Ansicht der befragten Personalmanager an Bedeutung für das Personalmanagement gewinnen.

Dieses Biltzlicht ist in einigen Punkten mit Vorsicht zu bewerten. Erstens handelt es sich um eine Auswahl von Unternehmen, die Mitglieder im DGFP sind (nicht das eigentliche Problem). Zweitens die Durchführung ist online geschehen wobei nur 2 % der befragten Unternehmen eine Rückmeldung gaben. Man könnte nun so beurteilen, dass nur die Betriebe geantwortet haben, die mit diesem Thema vertraut sind und auch etwas dazu sagen können (siehe auch die hohe Anzahl der IT-Betrieben in der Auswertung) oder die sich generell dem Thema verschlossen haben.

Ich fasse das für mich so zusammen: Die Unternehmen sind mit dem Thema Web 2.0 noch nicht warm geworden, beobachten aber aufmerksam diesen Trend. Wer sich mit dem Thema näher auseinander gesetzt hat benutzen auch Web 2.0 Tools.


Marcel Bernet
Bernet PR Agentur

Die maz/Bernet-Studie Web 2.0 von der Agentur Bernet PR-Agentur für 107 Schweizer Unternehmen ist da schon stichhaltiger. Es ging dabei um den Umgang von Schweizer Unternehmen und Organisationen mit dem Social Web. Die komplette Studie umfasst 33 Seiten und ist frei erhältlich. Die Zusammenfassung der Ergebnisse habe ich hier noch einmal eingestellt:

  • Die meisten Websites von Schweizer Organisationen undUnternehmen weisen noch wenige Elemente des Web 2.0 auf. Insbesondere Feedback-Funktionen sind kaum verbreitet.

  • Trotzdem lesen bereits zwei Drittel der befragten Organisationen Weblogs im Rahmen ihrer geschäftlichen Tätigkeit.

  • Gut zehn Prozent der befragten Organisationen führen eigene Weblogs, ein weiteres Viertel der Befragten plant, dies in den nächsten ein bis zwei Jahren zu tun.

  • Wenn Organisationen Weblogs führen, handelt es sich meist um interne Blogs – sie machen zusammen knapp die Hälfte aller Weblogs aus. Der immer wieder zitierte CEO-Blog hat sich in der Schweiz nicht durchgesetzt. Nur gerade zwei Unternehmen gaben an, über einen CEO-Blog zu verfügen.

  • Rund 80% der Befragten beliefern keine Blogger mit Medieninformationen und werden dies auch in Zukunft nicht tun.

  • Online-Abonnemente für Medienmitteilungen und andere Informationen kennen mehr als die Hälfte der Befragten. Dabei stehen E-Mail-Abonnemente im Vordergrund, 13% mit einem RSS-Feed.

  • Der Gebrauch von öffentlichen Austausch-Plattformen im Web ist noch wenig verbreitet. Aber immerhin 12 Prozent beziehen bereits entsprechende Video-Seiten wie YouTube in ihr Monitoring mit ein. Weniger verbreitet sind Anwendungen für den Austausch von Fotos, unbedeutend sind Bookmarks.

  • Nur sechs Unternehmen sind im Second Life mit einem eigenen Auftritt aktiv. Die Mehrheit dieser sechs pflegt ihre Präsenz aber weniger als einmal im Monat. 91.5 Prozent der Befragten sind weder in virtuellen Welten präsent noch planen sie einen Auftritt.

  • Mehr als ein Drittel der Befragten nutzen Wikis in irgend einer Form oder planen es in naher Zukunft. Der häufigste Anwendungsbereich von Wikis ist die interne Kommunikation.

  • Knapp die Hälfte der Befragten führt ein Online-Monitoring durch, zwei Drittel davon täglich. Meist wird diese Aufgabe intern wahrgenommen.

  • Bei Organisationen, die ein Online-Monitoring betreiben, ist die Wahrscheinlichkeit signifikant grösser, dass sie auch Blogs oder Wikis nutzen und andere Elemente des Web 2.0 für ihre Arbeit verwenden. Einflussfaktoren wie Grösse oder Typ der Organisation spielen dabei eine nebensächliche Rolle.

BITKOM Logo

Eine Pressemitteilung des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) über die Internetnutzung von Teenagern zeigt ein reges Interesse an diesem Medium. Denn 83 % der Internetnutzer zwischen 12 und 19 Jahren nutzen das Internet täglich oder mehrmals pro Woche. Dabei finde ich diese Stelle besonders interessant:

An Bedeutung gewinnen interaktive Web-Angebote. Vier von zehn Teenagern und jungen Erwachsenen haben ein Profil bei einem Online-Netzwerk (Community) hinterlegt. Insgesamt veröffentlicht jeder zweite junge Nutzer zwischen 14 und 29 Jahren persönliche Infos im Netz. …

Weitere Einzelheiten zeigt diese Grafik:

Internet_Favoriten.jpg

Weitere Statistiken von Technorati Logo, Wikipedia Logo und Mister Wong Logo zeigen einen generelles Wachstum in der Nutzung von Web 2.0 Werkzeugen. Erstaunlich dabei finde ich die Wachstumsraten! Diese Daten und die von BITKOM zeigen deutlich die Bedeutung dieser Tools in der Medienlandschaft.

Nachtrag: 8.04.08

Ich habe noch ein interessantes Interview mit Dr. Joachim Staude, (Vizepräsident des Bundesverbandes deutscher Unternehmensberater.) auf test.de bezüglich, wie man seine Karriere im Internet auf  Social Plattformen verbauen kann gefunden. Ein weiterer Grund das Web 2.0 auch an Schulen zu unterrichten.

Why do I blog this?: Kurz und knapp, für meine Vorbereitung auf die ALK-Prüfung.

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Web 2.0 in der Berufsschule (II)

Irgendwie müssen meine Thesen für die ALK noch besser werden, daher diese Neufassung. Mir stellen sich aus dem Bauch heraus drei Fragen:

  • Warum sollte man Web 2.0 Werkzeuge in der Berufsschule behandeln?
  • Eignen sich Web 2.0 Werkzeuge für die berufliche Bildung überhaupt?
  • Wie könnte man sie sinnvoll einsetzen?

Ich glaube, wenn diese Fragen geklärt sind, kann man für sich erst entscheiden, ob man Web 2.0 in der Berufsschule thematisieren möchte oder nicht. Sollten die Fragen positiv ausfallen muss man sich natürlich auch überlegen wie man selber zum Thema Web 2.0 steht und ob dieses Thema einem liegt. Für mich muss ich insofern vorsichtig sein, da ich recht begeistert von den Möglichkeiten die, u. a. RSS-Feeds, Wikis, und Blogs bieten können bin. Ein gewisser Halo-Effekt lässt grüßen.
Da ich mich schon eine Weile mit dem Thema beschäftigt habe stelle ich gleich zum Anfang hin meine drei Thesen bezogen auf die oben genannten Fragen auf.

  1. Durch die steigende Bedeutung des Web 2.0 sollte das Thema auch in der beruflichen Bildung thematisiert werden!
  2. Kompetenzen lassen sich hervorragend mit Web 2.0 Tools entwickeln!
  3. Mit Hilfe von Weblogs kann die Kommunikation zwischen Auszubildenden, den Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule (im dualen Bildungssystem) mit wenig Aufwand realisiert werden.

Diese Thesen werde ich im einzelnen versuchen zu untermauern. Beiträge folgen…
Und wer Interesse hat sich in meinen Quellen umzuschauen, kann dies gerne in meinem Netzwerk oneviewBS20 bei oneview tun.

Why do I blog this?: Kurz und knapp, zu meiner Vorbereitung auf die ALK-Prüfung.

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