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Berufsrelevante Kompetenzen entwickeln mit Wikis

Welchen Nutzen haben Blue Collar Worker von Wikis? Was sind Selbstorganisationsdispositionen? Welche Vorraussetzungen sind wichtig für die Kompetenzentwicklung mit Wikis?

Diese und ähnliche Fragen beschäftigen mich z. Z. auf dem ZUM-Wiki. Dort erstelle ich einen Artikel über diese und ähnlichen Fragen. Wer sich für das Thema Kompetenzen entwickeln mit Wikis interessiert kann dort gerne sich informieren oder mit an der Gestaltung arbeiten.

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Web 2.0 in der Berufsschule (V)

Mit Hilfe von Weblogs kann die Kommunikation zwischen Auszubildenden, den Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule (im dualen Bildungssystem) mit wenig Aufwand realisiert werden.

Eigentlich die spannendste These. Und es gibt tatsächlich Blogs die von Auszubildenden geschrieben werden, die möchte ich doch gleich mal als Beispiele an den Anfang stellen. Ich habe die sechs Blogbetreiber angeschrieben und einige Fragen zu meiner These gestellt:

  • Würden Sie dieser These zustimmen?
  • Könnte man nach Ihrer Meinung die Ausbildungsnachweise durch ein täglich geführten Blog ersetzen?
  • Auszubildende könnten so auch eine „Visitenkarte“ mit als Bewerbungsmaterial anführen.

Die Antworten:

In der Vergangenheit wurde den Schulen immer wieder ihr Mangel an Flexibilität vorgeworfen. Aber wie sieht es in den Betrieben aus? Ich habe die 6 Betriebe oben zu meiner These befragt. Sicherlich beurteilen bloggende Unternehmen gegenüber „Web 1.0 Betrieben“ mit hoher Wahrscheinlichkeit die These unterschiedlich, aber eine ausführliche Umfage würde hier den Ramen sprengen.

Die erste Antwort der Firma DATEV als Zitat:

„Wir nutzen dieses Medium bisher primär dazu, Schüler/-innen über unsere verschiedenen Ausbildungsberufe zu informieren und einen Einblick in unsere Ausbildungsarbeit zu geben. (Anmerkung von mir: vergleiche hierzu auch den Artikel vom bildungsklick.de) Ziel ist es, Ausbildungsinhalte und Tätigkeiten näher zu erläutern, um den Jugendlichen eine genauere Vorstellung des jeweiligen Berufes zu vermitteln. Die informellere Umgebung soll dazu anregen, bei Fragen auf uns zuzukommen. Hiermit soll auch falschen Vorstellungen über den Beruf vorgebeugt werden. Natürlich ist es andererseits beabsichtigt, Interesse am jeweiligen Beruf zu wecken und das Unternehmen als innovativ und fortschrittlich zu präsentieren.

Nun zu Ihrer Frage, ob „Mit Hilfe von Weblogs [.] die Kommunikation zwischen Auszubildenden, den Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule (im dualen Bildungssystem) mit wenig Aufwand realisiert werden“ kann.

Aus unserer Sicht kann ein Weblog die persönliche Kommunikation zwischen den Beteiligten nicht völlig ersetzen, sondern ergänzend als modernes und informationsvermittelndes Medium dienen. Nicht alle für die Ausbildung relevanten Sachverhalte sind für die Öffentlichkeit bestimmt. So setzen wir für die Kommunikation zwischen unseren Auszubildenden intern ein Ausbildungsforum und ein Ausbildungswiki ein. Steht die Kommunikation im Vordergrund, so eignet sich unseres Erachtens ein Forum in einer Newsgroup besser, da ein Weblog in der Regel auf eine sehr begrenzte Autorenzahl ausgerichtet ist.

Die Ausbildungsnachweise durch einen täglich geführten Blog zu ersetzen, stellt prinzipiell eine gute Idee dar. Doch da bei Corporate Blogs die Gefahr der versehentlichen Veröffentlichung von Unternehmensgeheimnissen besteht, müsste jeder Blogbeitrag vor der Veröffentlichung von Verantwortlichen durchgelesen werden. Bei einer Vielzahl an Auszubildenden wird der Aufwand unverhältnismäßig groß.

Zweite Antwort der Firma INPROMO als Zitat:

Meine Ausbilderin hat den Blog intiiert und ich bin froh darüber, weil wir so sehr schön die Web 2.0  Welt kennenlernen können.

Eine Kommunikation zwischen Schule,  Betrieb und mir, wäre sicherlich was interessantes, jedoch nicht zu realisieren. Der Grund dafür ist, dass  wir alleine für unsere schulischen Leistungen verantwortlich sind, sprich unser Betrieb lässt uns da freie Hand.
Was die Lehrer davon halten würden…ich denke  mit jüngeren Lehrern, die offen für Neues sind, könnte man evtl. gut miteinander kommunizieren. Ich könnte es mir sehr gut bei einem Klassenblog vorstellen. Vorrausgesetzt natürlich, die Motivation kommt von beiden Seiten (Lehrer und Schüler).
Unserer Lehrer ziehen ihren Stoff mehr oder weniger trocken durch und sind froh wenn die Stunde vorbei ist. Zumindest kommt mir das bei einigen so vor. ;).“

Ich möchte mich hier noch einmal für die Beantwortung herzlich in aller Öffentlichkeit bedanken. Erhalte ich weitere Antworten der anderen Unternehmen, so werden diese hier erscheinen.

Zum Vergleich: Berichtshefte von 1959:

Berichtsheft 1Und wenn man beide Varianten miteinander vergleicht hier noch vier Seiten aus Berichtsheften von 1959 (technischer Zeichner). Die Berichte mussten wöchentlich geschrieben werden. Pro Woche eine Doppelseite. Von der Doppelseite eine Seite Tätigkeitsbericht, die andere Seite eine Zeichnung. Diese durfte als Handskizze oder als Bleistiftzeichung, nicht als Tuschezeichnung, ausgeführt werden. Zur Vollansicht auf die Bilder klicken.

Berichtsheft 3

Berichtsheft 2Berichtsheft 4

Die heutigen Ausbildungsnachweise sehen aber auch schon wieder anders aus…

Kommunikation zwischen Unternehmen, Schulen und Auszubildenden; wie es sein könnte:

Meine Idee wäre es Auszubildenden die Wahl zu lassen zwischen Ausbildungsnachweisen und Blogs zu schreiben. Allerdings würde ich darauf hinweisen, welche Vor- und Nachteile die einzelnen Varianten hätten. Ich gehe auch davon aus, dass Ausbildungsnachweise schreiben für die meisten Auszubildenden ein graus ist und dies mit Sicherheit für Lehrlinge im handwerklichen Bereich. Ich versuche mich nun einmal aus der Sicht eines Auszubildenden mir die Vor- und Nachteile der beiden Varianten gegenüberzustellen:

Vorteile klassischer Ausbildungsnachweis:daumen hoch

  • Wenn die Unterschrift für die Woche drunter steht ist die Sache vergessen,
  • geringst möglicher Aufwand für eine „öde Sache“,
  • wenn ich mich verschrieben habe sieht das nur mein Ausbilder und ich kann den Fehler ohne mich zu outen korrigieren,

Nachteile klassischer Ausbildungsnachweise:daumen runter

  • Was in den Ausbildungsnachweisen steht interessiert sowieso niemanden, (warum denn dann überhaupt schreiben?)
  • völlig unmotivierend
  • ich kann damit nichts anfangen, (außer, dass ich diese Nachweise für meinen Abschluss brauche)

Vorteile Blognachweis:daumen hoch

  • Ich kann ein gut geführten Blog auch als Visitenkarte / „Arbeitsprobe“ benutzen und in einer Bewerbung darauf hinweisen. Wenn ich mich über das Internet bewerbe sogar darauf verlinken.
  • viele kreativen Möglichkeiten (man muss sie aber kennen)
  • Ich kann mich mit anderen über meine Ausbildung unterhalten (Feedback von Ausbildern, Auszubildenden, …)

Nachteile Blognachweis:daumen runter

  • Ich darf mir keine Fehler erlauben (ich denke dies wird subjektiv so empfunden),
  • Jeder kann das sehen (man kann diesen Punkt auch als Vorteil ansehen, kommt auf den Standpunkt an),
  • ich kann das nicht (Hemmschwelle).

Nachdem ich nun in die Mokassin eines Auszubildenden geschlüpft bin bleibt noch zu bemerken, das diese Vor- und Nachteile durchaus sehr unterschiedlich wahrgenommen werden können. Eine extrovertierte Persönlichkeit sieht eher die Vorteile als eine introvertierte Persönlichkeit, hinzu kommen auch Vorkenntnisse etc.

Ein entscheidender Punkt wird dabei sein, ob man ein Blog freiwillig schreibt oder ob das Führen eines Bolgs aufdiktiert wird. Daher könnte ich mir eine (freiwillige) Probezeit von einem halben Jahr (Schulhalbjahr) gut vorstellen. Es gehört ohne Zweifel auch Fingerspitzengefühl von kommentierenden Lehrern oder Ausbildern dazu den Auszubildenden nicht in aller Öffentlichkeit durch Kommentare runterzuputzen. An diesem Punkt ist man genau wieder beim Kompetenzlernen angelangt (siehe Web 2.0 in der Berufsausbildung IV) dies gilt für beide Seiten, Ausbilder sowohl Auszubildender. Wie oben von der Firma DATEV richtig bemerkt besteht die Gefahr, dass ungewollt Firmeninterna an die Öffentlichkeit geraten. Hier muss entschieden werden wie dies zu verhindern ist. Eine Möglichkeit besteht darin die Blogs nur für einen bestimmten Personenkreis zugänglich zu machen. Die Lösung der Firma DATEV interne „Azubi-Foren“ und „Azubi-Wikis“ einzusetzen ist meiner Meinung nach sehr innovativ gedacht. Für große Unternehmen, die ggf. auch noch überregional oder gar international agieren mit Sicherheit zukunftsweisend, vergleiche auch den Beitrag von Tim Schlotfeld Voraussetzungen für die Einführung von Knowledge Blogs in Organisationen und Wikis, RSS und andere Dinge im Unternehmen.

Die Umsetzung eines solchen „Projektes“ bedarf auch einige Voraussetzungen:

  • Lehrer und Ausbilder müssen sich mit diesem Medium auskennen und auch deren möglichen (Aus-) Wirkungen kennen.
  • Der Betrieb, das Unternehmen muss grundsätzlich dafür offen sein!
  • Die Industrie- & Handelskammer muss dieser Art von Ausbildungsnachweis zustimmen (Sicherlich mal interessant nachzufragen. Was dabei wohl rauskommen würde?)
  • Jeder in einem Ausbildungsjahr und/oder einer Berufsschulklasse muss am Arbeitsplatz Zugang zum Internet haben.

Vorläufiges Fazit:

Das Blogs für Azubis funktionieren zeigen die oben aufgeführten Beispiele. So wie ich mir den Einsatz von Blogs in der Ausbilung vorstelle existieren leider noch nicht. (Oder ich habe sie in den Weiten des Internets nicht gefunden.) Wer hier ein Konzept entwickelt der leistet echte Pionierarbeit und erst dann kann man die obige These verifizieren.

Why do I blog this?: Obwohl ich schon mit meiner ALK durch bin möchte ich diese Serie abschließen. Offene und angekündigte Sachen sind meiner Meinung nach peinlich und irgendwann auch unglaubwürdig. Außerdem interessiere ich mich für das Thema, da ich großen Spaß hätte solch ein Projekt im Detail zu entwerfen und zu begleiten. Vielleicht ergibt sich auch mal eine überregionale Zusammenarbeit. Das Zeitalter der Globalisierung ist längst angebrochen. Das moderne Klassenzimmer hört, meiner Meinung nach, nicht mehr an der Tür auf…

An meiner grafischen Darstellung muss ich auch noch feilen. Die Bilder rutschen nie dorthin, wo ich sie haben will.

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Web 2.0 in der Berufsschule (IV)

Kompetenzen lassen sich hervorragend mit Web 2.0 Tools entwickeln!
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Im Buch lesen



Lesen Sie im Buch

Diese These ist nicht mehr so eindeutig zu beantworten. Es gibt mit Sicherheit auch unterschiedliche Auffassungen dazu. Ich stütze mich in erster Linie auf das Buch von John Erpenbeck und Werner Sauter: Kompetenzentwicklung im Netz; New Blended Learning mit Web 2.0. Das Buch ist meiner Meinung nach sehr strukturiert aufgebaut. Das erste Kapitel gibt einen Überblick darüber was das Buch will. Der zweite Kapitel beschäftigt sich mit den Grundlagen, was denn Kompetenzen, Werte, Wissen, Qualifikationen sind und wie sie vermittelt werden. Zu der Kompetenz- und Wertevermittlung werden mehrere Konzepte vorgestellt. Kapitel drei zeigt die Potentiale und Philosophie der Kompetenzvermittlung von Web 2.0-Instrumenten auf und schließlich wird im vierten Kapitel Kompetenzentwicklung im Netz mit Blended Learning und Social Software vorgestellt. Zwei weitere Kapitel über Kommunikationsinstrumente im Netz und Kompetenzentwicklungssysteme mit Blended Learning und Social Software (KOBLESS) folgen noch.

Wer sich im Netz nach Anwendungen von Web 2.0 Werkzeugen in der Schule umsieht, findet in erster Linie technische Hinweise, wie z.B. Wikis, Blogs, Podcasts erstellt werden. Nur selten habe ich, wie auch Werner Prüher in seinem Artikel Wikis in der Berufsschule (Teil 5), Anwendungsbeispiele die auch noch didaktisch begründet sind gefunden. Daher ist das Buch von Erpenbeck und Sauter durchaus demjenigen zu empfehlen, der sich in die Grundlagen einarbeiten möchte, um sich rechtfertigen zu können warum er denn Web 2.0 Werkzeuge im (Berufsschul-) Unterricht einsetzt. Ebenso sei die Diplomarbeit von Werner Prüher (lernen heute) empfohlen.

Im weiteren werde ich punktuell Stichworte aufgreifen, die ich für eine Kompetenzentwicklung im Netz für wichtig erachte. Dabei lasse ich mich von der gegebenen Buchstruktur leiten und ergänze sie gegebenenfalls.

Ausgang:

Die gedankliche Verkürzung des Lernens auf die Aneignung von Sach- und Fachwissen, von Fertigkeiten und Qualifikationen ist eine folgenschwere Bürde für unser heutiges Lernen- und Zukunftsverständnis. Sie entstand im großen Umfang mit der hoch arbeitsteiligen industriellen Produktion in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und mit der „Zurichtung“ des Menschen für diese Produktion, als Rädchen im industriellen Getriebe, bis hin zum Handgriffautomaten im Taylorismus. Trotz aller reformpädagogischen Bestrebungen, aller wahrlich kompetenzorientierten Ansätze der Montessori und Co. blieb dieses verkürzte Lernverständnis lange, ja weitgehend bis heute erhalten: Der Lehrer füttert die Lernenden mit Wissensbröckchen bis zur Übersättigung; vieles davon wird unverdaut ausgeschieden, einiges davon als Wissensspeck abgespeichert.

(Quelle: Erpenbeck, Sauter, 2007 S. 1)
Was sind Werte?

Wert(e) ist ein in der Philosophie verwendeter Begriff und wird u. a. in der Wertphilosophie und Wertethik behandelt. Werte bestimmen die Bevorzugung einer positiven Handlung vor einer anderen auf Grundlage von Gründen, Normen, Ergebnissen einer (vorherigen, positiven) Handlung. Die Handlungen beziehen sich auf einen Gegenstand, eines Sachverhaltes oder einem andere(n) Wert(e).

Werte bestimmen unser Denken und Handeln in nahezu allen Situationen. Der Mensch richtet sich, oft mehr ahnend als wissend, danach, welchen Genuss, Nutzen, welches ethische Gefühl oder welche politische Bestärkung ihm sein Handeln zu vermitteln vermag. Ohne Werte wäre der Mensch nur ein wissensgesteuerter Automat. Einige grundlegende Bedeutungen von Werten sind:

  • Werte sind Bezeichnungen dafür, „was aus verschiedenen Gründen aus der Wirklichkeit (Realität)hervorgehoben wird und als wünschenswert und notwendig für den auftritt, der die Wertung vornimmt, sei es ein Individuum, eine Gesellschaftsgruppe oder eine Institution, die einzelne Individuen oder Gruppen repräsentiert.“ Werte sind Resultate aus „Werteprozessen“.
  • Werte verknüpfen das Beziehungsfeld Objekt der Wertung, Subjekt der Wertung, Grundlagen der Wertung und die Maßstäbe der Werte. Das Resultat dieser Verknüpfung ist wiederum ein Wert.
  • Es gibt eine Fülle von Werten die sich auf die Wertung von Genuss (hedonistisch), Nützlichkeit (utilitarisch), Schönheit (ästhetisch), Moral (ethisch-moralisch), Politik (politisch-weltanschaulich) beziehen können.
  • Werte werden im Konstruktivismus und in der Synergetik beschrieben. „Die Synergetik fasst Werte als Ordnungsparameter (Ordner) individuellen und sozialen Handelns unter der dargelegten prinzipiellen kognitiven Unsicherheit auf.BildungsWiki

Eine (diese) Begriffsbestimmung habe ich auch auf dem BildungsWiki eingestellt. Wer mag kann ihn gerne ergänzen.

Warum sind Werte für die Kompetenzbildung wichtig?

Das lässt sich kurz (aber plakativ) beantworten: Ohne Werte gibt es kein kompetentes Handeln! Werte sind unsere sogenannten Ordner. Nach ihnen richten wir unser Handeln. Wollen wir unser Handeln ändern, brauchen wir neue oder angepasste Werte. Um bewerten zu können, ob man Kompetenzen mit Web 2.0 Werkzeugen erlernen kann, muss man verstehen wie man sich generell Kompetenzen aneignet und was Kompetenzen überhaupt sind. Und wenn es ohne Werte kein kompetentes Handeln gibt muss man verstehen, was Werte sind und wie man sie lernt und lehrt . (Erpenbeck, Sauter, 2007 S. 22)

Wie eignet man sich Werte an? (Modelle der Wertaneignung)
Es gibt verschiedene Modelle wie Menschen sich Werte aneignen, bzw. sich alten Werten entledigen und neue Werte annehmen. Dazu gehören folgende Modelle, die ich nur aufführe aber nicht weiter im Detail beschreibe:
  • Wertaneignung unter allgemeinphsychologischer Betrachtung,
  • Wertaneignung nach der Psychotherapieforschung,
  • Wertaneigung mit Gruppendynamik.

Um zu verstehen, wieso Werteaneignung für die Kompetenzbildung wichtig ist muss man den Interiorisations- und Exteriorisationsprozess (auch Internalisierung) von Werten verstehen. Dazu habe ich aus Erpenbeck, Sauter, 2007 S. 60f diesen Prozess nachvollzogen.

Interiorisationsprozess

Orientierungsphase 1:
im Ausgangspunkt steht ein Konflikt indem man einen „alten“ Wert überprüft, ob er in einer neuen Situation übernommen werden kann. Man kann diese Konflikte aufteilen in: Gegenstandskonflikte, Partnerkonflikte, Gruppenkonflikte und Sozialkonflikte.
Orientierungsphase 2:
Die Probleme/Konflikte werden als Widerspruch in der eigenen Wahrnehmung, Urteilsbildung im Denken, Lernen und Kommunizieren wahrgenommen.
Unzufriedenheitsphase:
Der Widerspruch führt zu einer psychischen Labilisierung, zu einer kognitiven Dissonanz oder auch inneren Widerspruch. Hier liegt eine zentrale Bedeutung für echtes Lernen! Diese notwendige Dissonanz ist der Motor fürs Lernen. Je größer die Dissonanz je größer sind die damit verbundenen Emotionen und je tiefer geht der Internalisierungsprozess.
Lösungsphase 1:
Durch Konflikte entstehen Emotionen und Motivationen. Kognitive Inhalte werden stets emotionalen Aspekten gespeichert. Sie sind ebenfalls unverzichtbar für den Internalisierungsprozess.
Lösungsphase 2:
Beinhaltet die Änderung oder Entstehung neuer emotional-motivationaler Wertungen.
Produktivphase:
Testweise werden adaptiv oder neu entstandene Wertungen durch Kommunikation oder physisches Handeln ausprobiert.
Beendigungsphase:
Das Resultat wird als Wert in der Kommunikation oder im physischen Handeln übernommen oder es kommt wiederum zu einem neuen Konflikt der seinerseits als Ausgangspunkt des Interiorisationsprozesses steht.
Was sind Kompetenzen?

Es besteht ein Konsens der meisten Autoren darüber, dass keine allgemein verbindliche Definition von Kompetenz vorliegt und es auch verfehlt wäre, ein einheitliches Verständnis, verbindliche Bestimmung und entsprechende Messverfahren zu erwarten.

Definition von Peter Kappelhoff:

„Kompetenzen sind evolutionär entstandene, generalisierte Selbstorganisationsdispositionen komplexer, adaptive Systeme – insbesondere menschlicher Individuen – zu reflexivem, kreativem Problemlösungshandeln in Hinblick auf allgemeine Klassen von komplexen, selektiv bedeutsamen Situationen (Pfade).“

Nach Erpenbeck/Sauter kann man gar einen Kompetenzatlas aus vier Grund- oder Basiskompetenzen entwickeln (Erpenbeck, Sauter, 2007 S. 71):

-Personale Kompetenz sind reflexiv in Bezug auf seine eigene Person,
-Aktivitätskompetenz; mehr oder weniger aktiv,
-Fachlich-methodische Kompenz, in Bezug auf Sachverhalte,
-Sozial-kommunikative Kompetenz, in Bezug auf Andere.

Aus diesen vier Basiskompetenzen lässt sich ein Kompetenzatlas mit 64 Kompetenzbegriffen entwickeln. Dies dient dazu um einen sinnvollen Überblick über die Fülle an teilweise degenerierten Kompetenzbegriffen zu bekommen. (Erpenbeck, Sauter, 2007 S. 72f) Kompetenzen sollen in der Bildung auch messbar sein, um Entwicklungen bei Schülern, Studenten oder Mitarbeitern zu erkennen. Bzw. liegt es auch im eigenen Interesse seine Entwicklung zu erkennen (Feedbackinstrument).

Speziell unter Handlungskompetenz versteht man wie in den einzelnen Rahmenlehrplänen der Ausbildungsberufen erläutert und somit von der KMK definiert:

„Diese wird hier verstanden als die Bereitschaft und Fähigkeit des einzelnen, sich in gesellschaftlichen, beruflichen und privaten Situationen sachgerecht, durchdacht sowie individuell und sozial verantwortlich zu verhalten.“

Wie können mit Social Software Kompetenzen vermittelt werden?

Es kommt darauf an, mit welcher Social Software man arbeitet. Entscheidend ist immer dabei das Dissonanz-/Labilisierungspotential der Werkzeuge. Vier Instrumente mit ihren Dissonanz-/ Labilisierungspotential (nach Erpenbeck, Sauter, 2007, S.141 f.) habe ich unten in einer Tabelle aufgelistet. Noch einmal zur Erinnerung werden im Prozess der Wertevermittlung (Interiorisationsprozess, Internalisierung) immer auch Kompetenzen vermittelt. Der Hebel liegt dabei in der Unzufriedenheitsphase (Labilisierung). Das kann man sich so vorstellen: In einer Kommunikation kann eine Dissonanz oder mehrere Dissonanzen intern (im Individuum) oder extern auftreten. Da die Dissonanz gleichzeitig auch eine Motivation / Emotion auslöst versucht die Person wieder ein Gleichgewicht herzustellen indem es nach neuen Werten sucht. Siehe, wie eignet man sich Werte an? Die unterschiedlichen Web 2.0 Instrumente sprechen unterschiedliche „Wertesysteme“ an, die mit den Grundkompetenzen korrelieren.

Web-2.0-Werkzeuge

Die einzelnen Instrumente unterscheiden sich teilweise sehr stark in ihren Möglichkeiten. Zum Beispiel bietet oneview gegenüber del.ico.us meiner Meinung nach bessere Kommunikationsmöglichkeiten, somit eignet sich oneview besser für den Bildungsbereich. In Zukunft ist aber damit zu rechnen, das diese Instrumente weiter entwickelt werden und demzufolge nach und nach immer besser den Lernprozess begleiten können.

Wikis

Ich möchte hier nur das Wiki anreißen. Tim Schlotfeld weißt ebenso darauf hin, das sich Wikis hervorragend zur Wissensgenerierung eignen. Wikis sind besonders prädistiniert für die Basiskompetenzbildung im sozial-kommunikativen Bereich allerdings haben sie, wie man aus der Tabelle entnehmen kann, durchaus Potentiale in den anderen Kompetenzbereichen. Wer schon einmal versucht hat in Wikipedia einen Artikel zu schreiben weiß um die Komplexität dieses Vorganges (Vergleiche hierzu auch den Artikel: Ein Eintrag in der Enzyklopädie Wikipedia: Wie geht das eigentlich? von Helge Städtler). Man muss sich mit anderen Autoren auseinander setzen, diskutieren, Regeln einhalten. Dabei wird die Internalisierung häufig durchlaufen.

Es gilt nun passende Web 2.0 Werkzeuge für die gezielte Förderung von Kompetenzen ein zu setzen. Dabei ändert sich der Lernprozess grundlegend von dem was man bisher in der Schule kennt. Es gilt nun Wege zu finden diese modernen Lernmethoden für den Bildungsbereich nutzbar zu machen. Dazu gibt es im nächsten Beitrag ein oder zwei Beispiele….

Why do I blog this? Als Vorbereitung für meine ALK. Irgendwie habe ich aber nun auch das Gefühl, dass dieser Beitrag einfach zu lang ist. Ich glaube das wird sich kein Mensch durchlesen. Daher muss ich zusehen meine nächsten Artikel kürzer zu fassen.

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