Archiv der Kategorie: Berufsbildung

Berufswissenschaftliche Qualifikationsforschung…

ein Brückenschlag bezüglich der Standortbestimmung beruflicher Didaktik?

Die Qualifikationsforschung ist ein recht junger Forschungszweig und erfährt Aufwind seit der dual-kooperativen Berufsbildung, also seit Mitte der 1990ger Jahre.  Berufswissenschaftliche Qualifikationsforschung bedeutet:

Die berufswissenschaftlich ausgerichtete Qualifikationsforschung verfolgt das Ziel, die für einen Beruf charakteristischen Arbeitsaufgaben und die in diesen inkorporierten Qualifikationsanforderungen zu identifizieren und zu untersuchen, welche didaktischen Stellenwert diese Aufgaben für die Kompetenzentwicklung haben… Becker, M.; Spöttl, G.: Berufswissenschaftliche Forschung und deren empirische Relevanz für die Curriculumentwicklung. In:  bwp@ online. Nr.11, 2006 S.4

Es gibt ein Hin und Her, ob die Qualifikationsforschung eher ein Konstrukt aus unterschiedlichen etablierten wissenschaftlichen Disziplinen sei (TEICHLER, U. (1995): Qualifikationsforschung. In: ARNOLD, R./ LIPSMEIER, A. (Hrsg.):  Handbuch der Berufsbildung. Opladen, 501-508).  Also ist die Qualifikationsforschung eher bei den Erziehungswissenschaften, der Bildungssoziologie, einem Teil der Psychologie, der Bildungs- oder Curriculumsforschung hinzuzuschlagen?

Ein ähnliches Standortdilemma kennen wir aus den anderen Fachbereichen der Lehrerbildung. Zum Beispiel,  wohin mit der Fachdidaktik in der naturwissenschaftlichen Lehrerbildung? Es mach einen deutlichen Unterschied, ob ich die naturwissenschaftliche Fachdidaktik in die jeweilige naturwissenschftliche Fakultät lege oder sie zu den Erziehungswissenschaften zähle. In Bremen und in vielen anderen Universitäten liegt die Fachdidaktik in der naturw. Fakultät. Wer dort ein Lehramtstudium durchläuft, weiß von der Problematik, in den gleichen Topf geworfen zu werden, wie die Diplom-Anwärter, bzw. nun den Master-Studenten für Physik, Biologie oder Chemie.  Macht die Verlegung der Fachdidaktik mehr Sinn,  wenn sie zu den Erziehungswissenschaften gelegt wird?

Eine interessante Lösung für die Lehrerbildung im Bereich Berufspädagogik könnte eine Fakultät der berufswissenschaftlichen Qualifikationsforschung bedeuten und ggf. so ein Modell für die anderen Fachdidaktiken sein, denn…

  • die Qualifikationsforschung repräsentiert ein übergeordnetes Prinzip für die Berufsfindung und Berufsbildung,
  • sie identifiziert die Kompetenzen zur Beherrschung und Gestaltung beruflicher Arbeitsaufgaben,
  • sie erschließt die wesentlichen Zusammenhänge für die Komptenzentwicklung,
  • bestimmt sie das Arbeitsprozesswissen zur Ausgestaltung der Geschäfts- und Arbeitsprozesse.

These:

Für meinen Teil würde ich sagen, es wäre schön einen losgelösten Standort für die Lehrerbildung im berufsbildenden Bereich und auch im naturwissenschaftlichen Bereich zu besitzen.

Why do I blog this?: Ich habe hier erst einmal eine These aufgestellt, auf der ich mich ggf. in meiner mündlichen Prüfung beziehen kann. Eine schriftliche Begründung schaffe ich vor meiner Prüfung hier im Blog nicht mehr.

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Web 2.0 in der Berufsschule (V)

Mit Hilfe von Weblogs kann die Kommunikation zwischen Auszubildenden, den Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule (im dualen Bildungssystem) mit wenig Aufwand realisiert werden.

Eigentlich die spannendste These. Und es gibt tatsächlich Blogs die von Auszubildenden geschrieben werden, die möchte ich doch gleich mal als Beispiele an den Anfang stellen. Ich habe die sechs Blogbetreiber angeschrieben und einige Fragen zu meiner These gestellt:

  • Würden Sie dieser These zustimmen?
  • Könnte man nach Ihrer Meinung die Ausbildungsnachweise durch ein täglich geführten Blog ersetzen?
  • Auszubildende könnten so auch eine „Visitenkarte“ mit als Bewerbungsmaterial anführen.

Die Antworten:

In der Vergangenheit wurde den Schulen immer wieder ihr Mangel an Flexibilität vorgeworfen. Aber wie sieht es in den Betrieben aus? Ich habe die 6 Betriebe oben zu meiner These befragt. Sicherlich beurteilen bloggende Unternehmen gegenüber „Web 1.0 Betrieben“ mit hoher Wahrscheinlichkeit die These unterschiedlich, aber eine ausführliche Umfage würde hier den Ramen sprengen.

Die erste Antwort der Firma DATEV als Zitat:

„Wir nutzen dieses Medium bisher primär dazu, Schüler/-innen über unsere verschiedenen Ausbildungsberufe zu informieren und einen Einblick in unsere Ausbildungsarbeit zu geben. (Anmerkung von mir: vergleiche hierzu auch den Artikel vom bildungsklick.de) Ziel ist es, Ausbildungsinhalte und Tätigkeiten näher zu erläutern, um den Jugendlichen eine genauere Vorstellung des jeweiligen Berufes zu vermitteln. Die informellere Umgebung soll dazu anregen, bei Fragen auf uns zuzukommen. Hiermit soll auch falschen Vorstellungen über den Beruf vorgebeugt werden. Natürlich ist es andererseits beabsichtigt, Interesse am jeweiligen Beruf zu wecken und das Unternehmen als innovativ und fortschrittlich zu präsentieren.

Nun zu Ihrer Frage, ob „Mit Hilfe von Weblogs [.] die Kommunikation zwischen Auszubildenden, den Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule (im dualen Bildungssystem) mit wenig Aufwand realisiert werden“ kann.

Aus unserer Sicht kann ein Weblog die persönliche Kommunikation zwischen den Beteiligten nicht völlig ersetzen, sondern ergänzend als modernes und informationsvermittelndes Medium dienen. Nicht alle für die Ausbildung relevanten Sachverhalte sind für die Öffentlichkeit bestimmt. So setzen wir für die Kommunikation zwischen unseren Auszubildenden intern ein Ausbildungsforum und ein Ausbildungswiki ein. Steht die Kommunikation im Vordergrund, so eignet sich unseres Erachtens ein Forum in einer Newsgroup besser, da ein Weblog in der Regel auf eine sehr begrenzte Autorenzahl ausgerichtet ist.

Die Ausbildungsnachweise durch einen täglich geführten Blog zu ersetzen, stellt prinzipiell eine gute Idee dar. Doch da bei Corporate Blogs die Gefahr der versehentlichen Veröffentlichung von Unternehmensgeheimnissen besteht, müsste jeder Blogbeitrag vor der Veröffentlichung von Verantwortlichen durchgelesen werden. Bei einer Vielzahl an Auszubildenden wird der Aufwand unverhältnismäßig groß.

Zweite Antwort der Firma INPROMO als Zitat:

Meine Ausbilderin hat den Blog intiiert und ich bin froh darüber, weil wir so sehr schön die Web 2.0  Welt kennenlernen können.

Eine Kommunikation zwischen Schule,  Betrieb und mir, wäre sicherlich was interessantes, jedoch nicht zu realisieren. Der Grund dafür ist, dass  wir alleine für unsere schulischen Leistungen verantwortlich sind, sprich unser Betrieb lässt uns da freie Hand.
Was die Lehrer davon halten würden…ich denke  mit jüngeren Lehrern, die offen für Neues sind, könnte man evtl. gut miteinander kommunizieren. Ich könnte es mir sehr gut bei einem Klassenblog vorstellen. Vorrausgesetzt natürlich, die Motivation kommt von beiden Seiten (Lehrer und Schüler).
Unserer Lehrer ziehen ihren Stoff mehr oder weniger trocken durch und sind froh wenn die Stunde vorbei ist. Zumindest kommt mir das bei einigen so vor. ;).“

Ich möchte mich hier noch einmal für die Beantwortung herzlich in aller Öffentlichkeit bedanken. Erhalte ich weitere Antworten der anderen Unternehmen, so werden diese hier erscheinen.

Zum Vergleich: Berichtshefte von 1959:

Berichtsheft 1Und wenn man beide Varianten miteinander vergleicht hier noch vier Seiten aus Berichtsheften von 1959 (technischer Zeichner). Die Berichte mussten wöchentlich geschrieben werden. Pro Woche eine Doppelseite. Von der Doppelseite eine Seite Tätigkeitsbericht, die andere Seite eine Zeichnung. Diese durfte als Handskizze oder als Bleistiftzeichung, nicht als Tuschezeichnung, ausgeführt werden. Zur Vollansicht auf die Bilder klicken.

Berichtsheft 3

Berichtsheft 2Berichtsheft 4

Die heutigen Ausbildungsnachweise sehen aber auch schon wieder anders aus…

Kommunikation zwischen Unternehmen, Schulen und Auszubildenden; wie es sein könnte:

Meine Idee wäre es Auszubildenden die Wahl zu lassen zwischen Ausbildungsnachweisen und Blogs zu schreiben. Allerdings würde ich darauf hinweisen, welche Vor- und Nachteile die einzelnen Varianten hätten. Ich gehe auch davon aus, dass Ausbildungsnachweise schreiben für die meisten Auszubildenden ein graus ist und dies mit Sicherheit für Lehrlinge im handwerklichen Bereich. Ich versuche mich nun einmal aus der Sicht eines Auszubildenden mir die Vor- und Nachteile der beiden Varianten gegenüberzustellen:

Vorteile klassischer Ausbildungsnachweis:daumen hoch

  • Wenn die Unterschrift für die Woche drunter steht ist die Sache vergessen,
  • geringst möglicher Aufwand für eine „öde Sache“,
  • wenn ich mich verschrieben habe sieht das nur mein Ausbilder und ich kann den Fehler ohne mich zu outen korrigieren,

Nachteile klassischer Ausbildungsnachweise:daumen runter

  • Was in den Ausbildungsnachweisen steht interessiert sowieso niemanden, (warum denn dann überhaupt schreiben?)
  • völlig unmotivierend
  • ich kann damit nichts anfangen, (außer, dass ich diese Nachweise für meinen Abschluss brauche)

Vorteile Blognachweis:daumen hoch

  • Ich kann ein gut geführten Blog auch als Visitenkarte / „Arbeitsprobe“ benutzen und in einer Bewerbung darauf hinweisen. Wenn ich mich über das Internet bewerbe sogar darauf verlinken.
  • viele kreativen Möglichkeiten (man muss sie aber kennen)
  • Ich kann mich mit anderen über meine Ausbildung unterhalten (Feedback von Ausbildern, Auszubildenden, …)

Nachteile Blognachweis:daumen runter

  • Ich darf mir keine Fehler erlauben (ich denke dies wird subjektiv so empfunden),
  • Jeder kann das sehen (man kann diesen Punkt auch als Vorteil ansehen, kommt auf den Standpunkt an),
  • ich kann das nicht (Hemmschwelle).

Nachdem ich nun in die Mokassin eines Auszubildenden geschlüpft bin bleibt noch zu bemerken, das diese Vor- und Nachteile durchaus sehr unterschiedlich wahrgenommen werden können. Eine extrovertierte Persönlichkeit sieht eher die Vorteile als eine introvertierte Persönlichkeit, hinzu kommen auch Vorkenntnisse etc.

Ein entscheidender Punkt wird dabei sein, ob man ein Blog freiwillig schreibt oder ob das Führen eines Bolgs aufdiktiert wird. Daher könnte ich mir eine (freiwillige) Probezeit von einem halben Jahr (Schulhalbjahr) gut vorstellen. Es gehört ohne Zweifel auch Fingerspitzengefühl von kommentierenden Lehrern oder Ausbildern dazu den Auszubildenden nicht in aller Öffentlichkeit durch Kommentare runterzuputzen. An diesem Punkt ist man genau wieder beim Kompetenzlernen angelangt (siehe Web 2.0 in der Berufsausbildung IV) dies gilt für beide Seiten, Ausbilder sowohl Auszubildender. Wie oben von der Firma DATEV richtig bemerkt besteht die Gefahr, dass ungewollt Firmeninterna an die Öffentlichkeit geraten. Hier muss entschieden werden wie dies zu verhindern ist. Eine Möglichkeit besteht darin die Blogs nur für einen bestimmten Personenkreis zugänglich zu machen. Die Lösung der Firma DATEV interne „Azubi-Foren“ und „Azubi-Wikis“ einzusetzen ist meiner Meinung nach sehr innovativ gedacht. Für große Unternehmen, die ggf. auch noch überregional oder gar international agieren mit Sicherheit zukunftsweisend, vergleiche auch den Beitrag von Tim Schlotfeld Voraussetzungen für die Einführung von Knowledge Blogs in Organisationen und Wikis, RSS und andere Dinge im Unternehmen.

Die Umsetzung eines solchen „Projektes“ bedarf auch einige Voraussetzungen:

  • Lehrer und Ausbilder müssen sich mit diesem Medium auskennen und auch deren möglichen (Aus-) Wirkungen kennen.
  • Der Betrieb, das Unternehmen muss grundsätzlich dafür offen sein!
  • Die Industrie- & Handelskammer muss dieser Art von Ausbildungsnachweis zustimmen (Sicherlich mal interessant nachzufragen. Was dabei wohl rauskommen würde?)
  • Jeder in einem Ausbildungsjahr und/oder einer Berufsschulklasse muss am Arbeitsplatz Zugang zum Internet haben.

Vorläufiges Fazit:

Das Blogs für Azubis funktionieren zeigen die oben aufgeführten Beispiele. So wie ich mir den Einsatz von Blogs in der Ausbilung vorstelle existieren leider noch nicht. (Oder ich habe sie in den Weiten des Internets nicht gefunden.) Wer hier ein Konzept entwickelt der leistet echte Pionierarbeit und erst dann kann man die obige These verifizieren.

Why do I blog this?: Obwohl ich schon mit meiner ALK durch bin möchte ich diese Serie abschließen. Offene und angekündigte Sachen sind meiner Meinung nach peinlich und irgendwann auch unglaubwürdig. Außerdem interessiere ich mich für das Thema, da ich großen Spaß hätte solch ein Projekt im Detail zu entwerfen und zu begleiten. Vielleicht ergibt sich auch mal eine überregionale Zusammenarbeit. Das Zeitalter der Globalisierung ist längst angebrochen. Das moderne Klassenzimmer hört, meiner Meinung nach, nicht mehr an der Tür auf…

An meiner grafischen Darstellung muss ich auch noch feilen. Die Bilder rutschen nie dorthin, wo ich sie haben will.

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Web 2.0 in der Berufsschule – Bewertung vom Dozenten

Und so wurde ich von meinem Dozenten Herrn Haasler eingeschätzt. Wie ich es bereits in meinem Beitrag: Web 2.0 in der Berufsschule (II) vermutet habe, bin ich auf den „Halo-Effekt“ reingefallen.

Mitteilung des Ergebnisses einer Ausbildungsbegleitenden Leistungskontrolle (ALK) als abgeschichteter Teil der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an öffentlichen Schulen
Prüfungskandidat: Thorsten Schönbohm

Matrikel-Nr. xxx x xxx

Am Freitag, den 28.03.2008 wurde die ALK in Form einer mündlichen Prüfung durchgeführt. Im 40 minütigen Prüfungsgespräch würden Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von Web 2.0 in der Beruflichen Bildung – speziell im Berufsfeld Metalltechnik thematisiert. Der Kandidat, Thorsten Schönbohm, legte als Tischvorlage 3 knapp formulierte Thesen zur Thematik vor, die in die mündliche Prüfung einbezogen wurden. Prüfungsvorbereitend betreibt der Kandidat seit einigen Monaten einen Blog, der sich mit der Prüfungsthematik auf praktische Weise auseinander setzt (URL: https://bremerstudiblog.wordpress.com/).

Eingangs wurde von Herrn Schönbohm auf Nachfrage die sich rasant entwickelnde Wachstumsrate der Verbreitung und Nutzung von Web 2.0-Elementen erläutert. Der Kandidat bezog sich dabei auf aktuelle empirische Erhebungen der Community. Seine erste These (siehe Anlage) bezieht sich auf die steigende Verbreitung, aus der er den Schluss zieht, dass Web 2.0-Elemente auch in der beruflichen Bildung thematisiert werden sollten. Besonders herausgestellt wird vom Kandidaten, dass Web 2.0-Tools Kommunikationswerkzeuge darstellen, die Bildungsprozesse initiieren und begleiten können. Das Verbreitungsfeld in Unternehmen und bei Bildungsträgern wachse stätig, sodass auch die mittlere Qualifikationsebene der (angehenden) Fachkräfte damit konfrontiert sei. Zur Positionierung am Arbeitsmarkt werde es künftig zunehmend wichtiger durch Aktivitäten im Netz eine „Visitenkarte“ zu bieten, auf die Personalverantwortliche bei Bewerbungen Einsicht nehmen. Aktive Nutzungen von Web 2.0-Elementen könnten hier dokumentieren, dass selbstständiges Lernen und moderne Kommunikationsformen vertraute Bereiche bilden.

In der zweiten These untermauert der Kandidat, dass sich Kompetenzen mit Web 2.0-Elementen hervorragend entwickeln lassen. Auf Nachfrage benennt Herr Schönbohm vorrangig soziale kommunikative Kompetenzen. Um sich mit anderen Web 2.0-Akteuren auseinander setzen zu können und Diskussionen zu führen, ist die Entwicklung sozial-kommunikativer Kompetenzen unabdingbar. Im Web 2.0 wird eine beidseitige Kommunikation betrieben, der Akteur sei folglich gleichzeitig Sender und Empfänger mit weltweitem Aktionsraum. Mit Bezug auf aktuelle Quellen (angeführt sei hier Erpenbeck/Sauter: Kompetenzentwicklung im Netz, 2007) verdeutlicht der Kandidat, dass die verschiedenen Web 2.0-Werkzeuge höchst unterschiedliche Potenziale besitzen. Hier werden vier Kompetenzfacetten unterschieden (fachlich-methodische, sozial-kommunikative, aktivitätsbezogene und personale Kompetenzen). Dem Instrument des Blog werden von den Autoren Potenziale zur Entwicklung aller vier Kompetenzfacetten zugeschrieben. Diese Sicht wird vom Kandidaten, basierend auf eigenen praktischen Erfahrungen, ausdrücklich geteilt.

Dem Einwand, dass sich die Web 2.0-Gemeinde aus pädagogischer Sicht viel zu wenig mit den Lernzielen und den Lerngegenständen auseinander setzt und sich statt dessen allein auf die Methode konzentriere, begegnete Herr Schönbohm mit dem Aufzeigen der Möglichkeiten der Web 2.0-Tools. Hier wurde sehr deutlich, dass oftmals von Web 2.0-Insidern die Ausgangsfrage nach den Lernzielen kaum noch gestellt wird. Was gelernt werden soll, scheint von Transferüberlegungen derart überlagert zu werden, dass gehofft wird, dieses Defizit ließe sich schon durch die ausgefeilten Vermittlungsmethoden kompensieren.

Die dritte These des Kandidaten betrifft die Lernortkooperation im dualen System beruflicher Bildung und ihre Kommunikationswege mit Hilfe von Web 2.0-Elementen. Hier sieht Thorsten Schönbohm vor allem die Akteure an Berufsbildenden Schulen als Problem. Viele Lehrkräfte stehen seinem Eindruck nach den Web 2.0-Technologien noch recht distanziert oder uninformiert gegenüber. Die Kommunikation per E-mail, sei in einigen Kollegien noch immer eine Pionierleistung. In Unternehmen sei die Verbreitung von Web 2.0-Elementen meist etablierter. Auszubildende der Firma FESTO betrieben beispielsweise einen vom Unternehmen initiierten Azubi-Blog in dem über ihren beruflichen Alltag berichtet wird. Insgesamt ist der Kandidat der begründeten Auffassung, dass sich Web 2.0 auch im Bereich der Beruflichen Bildung etablieren wird. Dies sei allerdings kein Selbstläufer, sondern bedarf gezielter Unterstützung.

Die Leistungen, die Herr Schönbohm im Prüfungsgespräch erbrachte, waren solide und kenntnisreich. Seine Argumentationsstränge wurden in der Regel durch aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen untermauert, die der Kandidat gründlich studiert hatte. Die von ihm formulierten Thesen belegen, dass Herr Schönbohm eigene Positionierungen entwickeln und wie die Prüfung zeigte, auch begründen kann. Kritisch anzumerken bleibt allein, dass der Blick zu sehr auf methodischen Chancen des Web 2.0 gerichtet wurde und grundlegende pädagogische Fragen, wie die nach den Lernzielen vernachlässigt wurden.

Zusammenfassend bewerte ich die in der mündlichen Prüfung von Thorsten Schönbohm gebotenen Leistungen mit gut (Note: 2).

Anhang:

Thesen von Thorsten Schönbohm zum Einsatz von Web 2.0 -Instrumenten in der beruflichen Bildung:

  1. Durch die steigende Bedeutung des Web 2.0 sollte das Thema auch in der beruflichen Bildung thematisiert werden!
  2. Kompetenzen lassen sich hervorragend mit Web 2.0-Tools entwickeln!
  3. Mit Hilfe von Weblogs kann die Kommunikation zwischen Auszubildenden, den Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule (im dualen Bildungssystem) mit wenig Aufwand realisiert werden.

Aus Erfahrung wird man klug:

Natürlich muss generell beachtet werden, dass keine Methode, sei sie noch so gut, intrinsische Motivation ersetzen kann. Im Führungsseminaren und im NLP spricht man von Firmen-Visionen die deckungsgleich mit den persönlichen Visionen sein sollen. Ist dies nicht der Fall gibt es auf Dauer keine intrinsische Motivation.

Fazit:

In Zukunft muss ich darauf achten Schülerinteressen mit einzubeziehen. Und für mein persönlichen Lehrplan heißt das, das ich mich mit Motivation genauer beschäftigen werde und welche Möglichkeiten es gibt Schülerinteressen besser mit einzubeziehen.

Why do I blog this?: Herr Haasler, sie hatten recht! Ich werde es bloggen! 😉

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Web 2.0 in der Berufsschule (IV)

Kompetenzen lassen sich hervorragend mit Web 2.0 Tools entwickeln!
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Im Buch lesen



Lesen Sie im Buch

Diese These ist nicht mehr so eindeutig zu beantworten. Es gibt mit Sicherheit auch unterschiedliche Auffassungen dazu. Ich stütze mich in erster Linie auf das Buch von John Erpenbeck und Werner Sauter: Kompetenzentwicklung im Netz; New Blended Learning mit Web 2.0. Das Buch ist meiner Meinung nach sehr strukturiert aufgebaut. Das erste Kapitel gibt einen Überblick darüber was das Buch will. Der zweite Kapitel beschäftigt sich mit den Grundlagen, was denn Kompetenzen, Werte, Wissen, Qualifikationen sind und wie sie vermittelt werden. Zu der Kompetenz- und Wertevermittlung werden mehrere Konzepte vorgestellt. Kapitel drei zeigt die Potentiale und Philosophie der Kompetenzvermittlung von Web 2.0-Instrumenten auf und schließlich wird im vierten Kapitel Kompetenzentwicklung im Netz mit Blended Learning und Social Software vorgestellt. Zwei weitere Kapitel über Kommunikationsinstrumente im Netz und Kompetenzentwicklungssysteme mit Blended Learning und Social Software (KOBLESS) folgen noch.

Wer sich im Netz nach Anwendungen von Web 2.0 Werkzeugen in der Schule umsieht, findet in erster Linie technische Hinweise, wie z.B. Wikis, Blogs, Podcasts erstellt werden. Nur selten habe ich, wie auch Werner Prüher in seinem Artikel Wikis in der Berufsschule (Teil 5), Anwendungsbeispiele die auch noch didaktisch begründet sind gefunden. Daher ist das Buch von Erpenbeck und Sauter durchaus demjenigen zu empfehlen, der sich in die Grundlagen einarbeiten möchte, um sich rechtfertigen zu können warum er denn Web 2.0 Werkzeuge im (Berufsschul-) Unterricht einsetzt. Ebenso sei die Diplomarbeit von Werner Prüher (lernen heute) empfohlen.

Im weiteren werde ich punktuell Stichworte aufgreifen, die ich für eine Kompetenzentwicklung im Netz für wichtig erachte. Dabei lasse ich mich von der gegebenen Buchstruktur leiten und ergänze sie gegebenenfalls.

Ausgang:

Die gedankliche Verkürzung des Lernens auf die Aneignung von Sach- und Fachwissen, von Fertigkeiten und Qualifikationen ist eine folgenschwere Bürde für unser heutiges Lernen- und Zukunftsverständnis. Sie entstand im großen Umfang mit der hoch arbeitsteiligen industriellen Produktion in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und mit der „Zurichtung“ des Menschen für diese Produktion, als Rädchen im industriellen Getriebe, bis hin zum Handgriffautomaten im Taylorismus. Trotz aller reformpädagogischen Bestrebungen, aller wahrlich kompetenzorientierten Ansätze der Montessori und Co. blieb dieses verkürzte Lernverständnis lange, ja weitgehend bis heute erhalten: Der Lehrer füttert die Lernenden mit Wissensbröckchen bis zur Übersättigung; vieles davon wird unverdaut ausgeschieden, einiges davon als Wissensspeck abgespeichert.

(Quelle: Erpenbeck, Sauter, 2007 S. 1)
Was sind Werte?

Wert(e) ist ein in der Philosophie verwendeter Begriff und wird u. a. in der Wertphilosophie und Wertethik behandelt. Werte bestimmen die Bevorzugung einer positiven Handlung vor einer anderen auf Grundlage von Gründen, Normen, Ergebnissen einer (vorherigen, positiven) Handlung. Die Handlungen beziehen sich auf einen Gegenstand, eines Sachverhaltes oder einem andere(n) Wert(e).

Werte bestimmen unser Denken und Handeln in nahezu allen Situationen. Der Mensch richtet sich, oft mehr ahnend als wissend, danach, welchen Genuss, Nutzen, welches ethische Gefühl oder welche politische Bestärkung ihm sein Handeln zu vermitteln vermag. Ohne Werte wäre der Mensch nur ein wissensgesteuerter Automat. Einige grundlegende Bedeutungen von Werten sind:

  • Werte sind Bezeichnungen dafür, „was aus verschiedenen Gründen aus der Wirklichkeit (Realität)hervorgehoben wird und als wünschenswert und notwendig für den auftritt, der die Wertung vornimmt, sei es ein Individuum, eine Gesellschaftsgruppe oder eine Institution, die einzelne Individuen oder Gruppen repräsentiert.“ Werte sind Resultate aus „Werteprozessen“.
  • Werte verknüpfen das Beziehungsfeld Objekt der Wertung, Subjekt der Wertung, Grundlagen der Wertung und die Maßstäbe der Werte. Das Resultat dieser Verknüpfung ist wiederum ein Wert.
  • Es gibt eine Fülle von Werten die sich auf die Wertung von Genuss (hedonistisch), Nützlichkeit (utilitarisch), Schönheit (ästhetisch), Moral (ethisch-moralisch), Politik (politisch-weltanschaulich) beziehen können.
  • Werte werden im Konstruktivismus und in der Synergetik beschrieben. „Die Synergetik fasst Werte als Ordnungsparameter (Ordner) individuellen und sozialen Handelns unter der dargelegten prinzipiellen kognitiven Unsicherheit auf.BildungsWiki

Eine (diese) Begriffsbestimmung habe ich auch auf dem BildungsWiki eingestellt. Wer mag kann ihn gerne ergänzen.

Warum sind Werte für die Kompetenzbildung wichtig?

Das lässt sich kurz (aber plakativ) beantworten: Ohne Werte gibt es kein kompetentes Handeln! Werte sind unsere sogenannten Ordner. Nach ihnen richten wir unser Handeln. Wollen wir unser Handeln ändern, brauchen wir neue oder angepasste Werte. Um bewerten zu können, ob man Kompetenzen mit Web 2.0 Werkzeugen erlernen kann, muss man verstehen wie man sich generell Kompetenzen aneignet und was Kompetenzen überhaupt sind. Und wenn es ohne Werte kein kompetentes Handeln gibt muss man verstehen, was Werte sind und wie man sie lernt und lehrt . (Erpenbeck, Sauter, 2007 S. 22)

Wie eignet man sich Werte an? (Modelle der Wertaneignung)
Es gibt verschiedene Modelle wie Menschen sich Werte aneignen, bzw. sich alten Werten entledigen und neue Werte annehmen. Dazu gehören folgende Modelle, die ich nur aufführe aber nicht weiter im Detail beschreibe:
  • Wertaneignung unter allgemeinphsychologischer Betrachtung,
  • Wertaneignung nach der Psychotherapieforschung,
  • Wertaneigung mit Gruppendynamik.

Um zu verstehen, wieso Werteaneignung für die Kompetenzbildung wichtig ist muss man den Interiorisations- und Exteriorisationsprozess (auch Internalisierung) von Werten verstehen. Dazu habe ich aus Erpenbeck, Sauter, 2007 S. 60f diesen Prozess nachvollzogen.

Interiorisationsprozess

Orientierungsphase 1:
im Ausgangspunkt steht ein Konflikt indem man einen „alten“ Wert überprüft, ob er in einer neuen Situation übernommen werden kann. Man kann diese Konflikte aufteilen in: Gegenstandskonflikte, Partnerkonflikte, Gruppenkonflikte und Sozialkonflikte.
Orientierungsphase 2:
Die Probleme/Konflikte werden als Widerspruch in der eigenen Wahrnehmung, Urteilsbildung im Denken, Lernen und Kommunizieren wahrgenommen.
Unzufriedenheitsphase:
Der Widerspruch führt zu einer psychischen Labilisierung, zu einer kognitiven Dissonanz oder auch inneren Widerspruch. Hier liegt eine zentrale Bedeutung für echtes Lernen! Diese notwendige Dissonanz ist der Motor fürs Lernen. Je größer die Dissonanz je größer sind die damit verbundenen Emotionen und je tiefer geht der Internalisierungsprozess.
Lösungsphase 1:
Durch Konflikte entstehen Emotionen und Motivationen. Kognitive Inhalte werden stets emotionalen Aspekten gespeichert. Sie sind ebenfalls unverzichtbar für den Internalisierungsprozess.
Lösungsphase 2:
Beinhaltet die Änderung oder Entstehung neuer emotional-motivationaler Wertungen.
Produktivphase:
Testweise werden adaptiv oder neu entstandene Wertungen durch Kommunikation oder physisches Handeln ausprobiert.
Beendigungsphase:
Das Resultat wird als Wert in der Kommunikation oder im physischen Handeln übernommen oder es kommt wiederum zu einem neuen Konflikt der seinerseits als Ausgangspunkt des Interiorisationsprozesses steht.
Was sind Kompetenzen?

Es besteht ein Konsens der meisten Autoren darüber, dass keine allgemein verbindliche Definition von Kompetenz vorliegt und es auch verfehlt wäre, ein einheitliches Verständnis, verbindliche Bestimmung und entsprechende Messverfahren zu erwarten.

Definition von Peter Kappelhoff:

„Kompetenzen sind evolutionär entstandene, generalisierte Selbstorganisationsdispositionen komplexer, adaptive Systeme – insbesondere menschlicher Individuen – zu reflexivem, kreativem Problemlösungshandeln in Hinblick auf allgemeine Klassen von komplexen, selektiv bedeutsamen Situationen (Pfade).“

Nach Erpenbeck/Sauter kann man gar einen Kompetenzatlas aus vier Grund- oder Basiskompetenzen entwickeln (Erpenbeck, Sauter, 2007 S. 71):

-Personale Kompetenz sind reflexiv in Bezug auf seine eigene Person,
-Aktivitätskompetenz; mehr oder weniger aktiv,
-Fachlich-methodische Kompenz, in Bezug auf Sachverhalte,
-Sozial-kommunikative Kompetenz, in Bezug auf Andere.

Aus diesen vier Basiskompetenzen lässt sich ein Kompetenzatlas mit 64 Kompetenzbegriffen entwickeln. Dies dient dazu um einen sinnvollen Überblick über die Fülle an teilweise degenerierten Kompetenzbegriffen zu bekommen. (Erpenbeck, Sauter, 2007 S. 72f) Kompetenzen sollen in der Bildung auch messbar sein, um Entwicklungen bei Schülern, Studenten oder Mitarbeitern zu erkennen. Bzw. liegt es auch im eigenen Interesse seine Entwicklung zu erkennen (Feedbackinstrument).

Speziell unter Handlungskompetenz versteht man wie in den einzelnen Rahmenlehrplänen der Ausbildungsberufen erläutert und somit von der KMK definiert:

„Diese wird hier verstanden als die Bereitschaft und Fähigkeit des einzelnen, sich in gesellschaftlichen, beruflichen und privaten Situationen sachgerecht, durchdacht sowie individuell und sozial verantwortlich zu verhalten.“

Wie können mit Social Software Kompetenzen vermittelt werden?

Es kommt darauf an, mit welcher Social Software man arbeitet. Entscheidend ist immer dabei das Dissonanz-/Labilisierungspotential der Werkzeuge. Vier Instrumente mit ihren Dissonanz-/ Labilisierungspotential (nach Erpenbeck, Sauter, 2007, S.141 f.) habe ich unten in einer Tabelle aufgelistet. Noch einmal zur Erinnerung werden im Prozess der Wertevermittlung (Interiorisationsprozess, Internalisierung) immer auch Kompetenzen vermittelt. Der Hebel liegt dabei in der Unzufriedenheitsphase (Labilisierung). Das kann man sich so vorstellen: In einer Kommunikation kann eine Dissonanz oder mehrere Dissonanzen intern (im Individuum) oder extern auftreten. Da die Dissonanz gleichzeitig auch eine Motivation / Emotion auslöst versucht die Person wieder ein Gleichgewicht herzustellen indem es nach neuen Werten sucht. Siehe, wie eignet man sich Werte an? Die unterschiedlichen Web 2.0 Instrumente sprechen unterschiedliche „Wertesysteme“ an, die mit den Grundkompetenzen korrelieren.

Web-2.0-Werkzeuge

Die einzelnen Instrumente unterscheiden sich teilweise sehr stark in ihren Möglichkeiten. Zum Beispiel bietet oneview gegenüber del.ico.us meiner Meinung nach bessere Kommunikationsmöglichkeiten, somit eignet sich oneview besser für den Bildungsbereich. In Zukunft ist aber damit zu rechnen, das diese Instrumente weiter entwickelt werden und demzufolge nach und nach immer besser den Lernprozess begleiten können.

Wikis

Ich möchte hier nur das Wiki anreißen. Tim Schlotfeld weißt ebenso darauf hin, das sich Wikis hervorragend zur Wissensgenerierung eignen. Wikis sind besonders prädistiniert für die Basiskompetenzbildung im sozial-kommunikativen Bereich allerdings haben sie, wie man aus der Tabelle entnehmen kann, durchaus Potentiale in den anderen Kompetenzbereichen. Wer schon einmal versucht hat in Wikipedia einen Artikel zu schreiben weiß um die Komplexität dieses Vorganges (Vergleiche hierzu auch den Artikel: Ein Eintrag in der Enzyklopädie Wikipedia: Wie geht das eigentlich? von Helge Städtler). Man muss sich mit anderen Autoren auseinander setzen, diskutieren, Regeln einhalten. Dabei wird die Internalisierung häufig durchlaufen.

Es gilt nun passende Web 2.0 Werkzeuge für die gezielte Förderung von Kompetenzen ein zu setzen. Dabei ändert sich der Lernprozess grundlegend von dem was man bisher in der Schule kennt. Es gilt nun Wege zu finden diese modernen Lernmethoden für den Bildungsbereich nutzbar zu machen. Dazu gibt es im nächsten Beitrag ein oder zwei Beispiele….

Why do I blog this? Als Vorbereitung für meine ALK. Irgendwie habe ich aber nun auch das Gefühl, dass dieser Beitrag einfach zu lang ist. Ich glaube das wird sich kein Mensch durchlesen. Daher muss ich zusehen meine nächsten Artikel kürzer zu fassen.

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Web 2.0 in der Berufsschule (III)

Zu meiner ersten These:

Durch die steigende Bedeutung des Web 2.0 sollte das Thema auch in der beruflichen Bildung thematisiert werden!

Mein dreieinhalb Jahre alter Sohnemann würde sagen: „Ist so!“ Ich möchte es aber doch ein wenig ausführlicher tun. Darum gibt es erst einmal Fakten, die ich im Netz gefunden und bei oneview gesammelt habe.

Für ganz eilige: Die Statistiken aus den Jahren (2007/2008) vom DGFP, MARCEL BERNET und BITKOM lassen einen deutlichen Trend erkennen, dass zum einen Unternehmen ein Interesse an Web 2.0 Werkzeugen haben, zum anderen aber die Erfahrung im Umgang mit diesen Werkzeugen noch in den Kinderschuhen stecken. Die BITKOM Studie zeigt auf, dass Jugendliche im Alter zwischen 12 und 19 Jahren ein reges Interesse am Internet besitzen und insbesondere der sorglosen Umgang mit online-Netzwerken zu bedenken ist. Das deutsche online-Netzwerk StudiVZ hat nach einem Pressebericht von nielsen-online im Zeitraum Jan. 2007 bis Nov. 2007 eine Wachstumsrate von 333,5 %!!

Durch diese Daten kann berechtigt behauptet werden, dass das Web 2.0 durchaus in der Berufsschule thematisiert werden kann. Einmal wegen der zunehmenden Bedeutung dieses Mediumbereiches und außerdem im Umgang damit. Somit sehe ich meine erste These begründet.

Im einzelnen habe ich die Kernpunkte der Studien unten aufgelistet, wer es noch genauer nachlesen möchte kann den Links folgen.

DGFP LogoDie deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V hat eine Umfrage von 53 Betrieben aus unterschiedlichen Branchen und Mitarbeiterzahl zum Thema Web 2.0 im Personalmanagement befragt.

Hier die gestellten Fragen:

  • wie sie die Chancen und Risiken des Web 2.0 beurteilen,
  • ob sie Web-2.0-Anwendungen heute schon im Personalmarketing, in der Aus- und Weiterbildung oder im Wissens- und Projektmanagement einsetzen beziehungsweise, ob sie sich vorstellen können, das in Zukunft zu tun,
  • welche Web-2.0-Anwendungen sie nutzen beziehungsweise sich vorstellen können, künftig zu nutzen,
  • welche Erfahrungen sie bisher mit Web-2.0-Angeboten im Personalmanagement gesammelt haben und
  • wie sie die zukünftige Bedeutung des Themas Web 2.0 für das Personalmanagement einschätzen.

Die Antworten wurden wie folgt auf den Punkt gebracht, Zitat:

  • Das wichtigste Ergebnis ist zunächst: Das Thema Web 2.0 ist noch längst nicht in allen Personalabteilungen angekommen. Bislang nutzen erst einige wenige Vorreiter im Personalmanagement Web-2.0-Anwendungen. Doch die Mehrheit der befragten Personalmanager zeigt sich den neuen technischen Möglichkeiten gegenüber sehr aufgeschlossen.

  • Positiv sind die Erfahrungen jener Personalmanager, die bereits über konkrete Erfahrungen mit Web-2.0-Angeboten im Personalmanagement verfügen.

  • Die Beurteilung der einzelnen Web-2.0-Tools fällt differenziert aus: Während einige Anwendungen (z. B. Online Communities) für eine Vielzahl von Personalmanagement-Aufgaben genutzt werden können, ist der Anwendungsbereich für andere Web-2.0-Tools eher eingeschränkt. So können virtuelle Welten wie Second Life zwar neue Wege im Personalmarketing eröffnen; nach Einschätzung der befragten Personalmanager eignen sie sich jedoch weniger für die betriebliche Aus- und Weiterbildung oder das Wissens- und Projektmanagement.

  • Vielen Personalmanagern fällt es schwer, zum jetzigen Zeitpunkt bereits die Chancen und Risiken des Web 2.0 für das Personalmanagement einzuschätzen. Sie erhoffen sich in erster Linie einen Effizienzgewinn für die betriebliche Information und Kommunikation. Dass durch die Nutzung von Web-2.0-Anwendungen das Unternehmensimage beschädigt werden könnte, befürchten die wenigsten Befragungsteilnehmer.

  • Schon in den nächsten drei Jahren wird das Thema Web 2.0 nach Ansicht der befragten Personalmanager an Bedeutung für das Personalmanagement gewinnen.

Dieses Biltzlicht ist in einigen Punkten mit Vorsicht zu bewerten. Erstens handelt es sich um eine Auswahl von Unternehmen, die Mitglieder im DGFP sind (nicht das eigentliche Problem). Zweitens die Durchführung ist online geschehen wobei nur 2 % der befragten Unternehmen eine Rückmeldung gaben. Man könnte nun so beurteilen, dass nur die Betriebe geantwortet haben, die mit diesem Thema vertraut sind und auch etwas dazu sagen können (siehe auch die hohe Anzahl der IT-Betrieben in der Auswertung) oder die sich generell dem Thema verschlossen haben.

Ich fasse das für mich so zusammen: Die Unternehmen sind mit dem Thema Web 2.0 noch nicht warm geworden, beobachten aber aufmerksam diesen Trend. Wer sich mit dem Thema näher auseinander gesetzt hat benutzen auch Web 2.0 Tools.


Marcel Bernet
Bernet PR Agentur

Die maz/Bernet-Studie Web 2.0 von der Agentur Bernet PR-Agentur für 107 Schweizer Unternehmen ist da schon stichhaltiger. Es ging dabei um den Umgang von Schweizer Unternehmen und Organisationen mit dem Social Web. Die komplette Studie umfasst 33 Seiten und ist frei erhältlich. Die Zusammenfassung der Ergebnisse habe ich hier noch einmal eingestellt:

  • Die meisten Websites von Schweizer Organisationen undUnternehmen weisen noch wenige Elemente des Web 2.0 auf. Insbesondere Feedback-Funktionen sind kaum verbreitet.

  • Trotzdem lesen bereits zwei Drittel der befragten Organisationen Weblogs im Rahmen ihrer geschäftlichen Tätigkeit.

  • Gut zehn Prozent der befragten Organisationen führen eigene Weblogs, ein weiteres Viertel der Befragten plant, dies in den nächsten ein bis zwei Jahren zu tun.

  • Wenn Organisationen Weblogs führen, handelt es sich meist um interne Blogs – sie machen zusammen knapp die Hälfte aller Weblogs aus. Der immer wieder zitierte CEO-Blog hat sich in der Schweiz nicht durchgesetzt. Nur gerade zwei Unternehmen gaben an, über einen CEO-Blog zu verfügen.

  • Rund 80% der Befragten beliefern keine Blogger mit Medieninformationen und werden dies auch in Zukunft nicht tun.

  • Online-Abonnemente für Medienmitteilungen und andere Informationen kennen mehr als die Hälfte der Befragten. Dabei stehen E-Mail-Abonnemente im Vordergrund, 13% mit einem RSS-Feed.

  • Der Gebrauch von öffentlichen Austausch-Plattformen im Web ist noch wenig verbreitet. Aber immerhin 12 Prozent beziehen bereits entsprechende Video-Seiten wie YouTube in ihr Monitoring mit ein. Weniger verbreitet sind Anwendungen für den Austausch von Fotos, unbedeutend sind Bookmarks.

  • Nur sechs Unternehmen sind im Second Life mit einem eigenen Auftritt aktiv. Die Mehrheit dieser sechs pflegt ihre Präsenz aber weniger als einmal im Monat. 91.5 Prozent der Befragten sind weder in virtuellen Welten präsent noch planen sie einen Auftritt.

  • Mehr als ein Drittel der Befragten nutzen Wikis in irgend einer Form oder planen es in naher Zukunft. Der häufigste Anwendungsbereich von Wikis ist die interne Kommunikation.

  • Knapp die Hälfte der Befragten führt ein Online-Monitoring durch, zwei Drittel davon täglich. Meist wird diese Aufgabe intern wahrgenommen.

  • Bei Organisationen, die ein Online-Monitoring betreiben, ist die Wahrscheinlichkeit signifikant grösser, dass sie auch Blogs oder Wikis nutzen und andere Elemente des Web 2.0 für ihre Arbeit verwenden. Einflussfaktoren wie Grösse oder Typ der Organisation spielen dabei eine nebensächliche Rolle.

BITKOM Logo

Eine Pressemitteilung des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) über die Internetnutzung von Teenagern zeigt ein reges Interesse an diesem Medium. Denn 83 % der Internetnutzer zwischen 12 und 19 Jahren nutzen das Internet täglich oder mehrmals pro Woche. Dabei finde ich diese Stelle besonders interessant:

An Bedeutung gewinnen interaktive Web-Angebote. Vier von zehn Teenagern und jungen Erwachsenen haben ein Profil bei einem Online-Netzwerk (Community) hinterlegt. Insgesamt veröffentlicht jeder zweite junge Nutzer zwischen 14 und 29 Jahren persönliche Infos im Netz. …

Weitere Einzelheiten zeigt diese Grafik:

Internet_Favoriten.jpg

Weitere Statistiken von Technorati Logo, Wikipedia Logo und Mister Wong Logo zeigen einen generelles Wachstum in der Nutzung von Web 2.0 Werkzeugen. Erstaunlich dabei finde ich die Wachstumsraten! Diese Daten und die von BITKOM zeigen deutlich die Bedeutung dieser Tools in der Medienlandschaft.

Nachtrag: 8.04.08

Ich habe noch ein interessantes Interview mit Dr. Joachim Staude, (Vizepräsident des Bundesverbandes deutscher Unternehmensberater.) auf test.de bezüglich, wie man seine Karriere im Internet auf  Social Plattformen verbauen kann gefunden. Ein weiterer Grund das Web 2.0 auch an Schulen zu unterrichten.

Why do I blog this?: Kurz und knapp, für meine Vorbereitung auf die ALK-Prüfung.

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Eingeordnet unter Berufsbildung, Web 2.0

Web 2.0 in der Berufsschule (II)

Irgendwie müssen meine Thesen für die ALK noch besser werden, daher diese Neufassung. Mir stellen sich aus dem Bauch heraus drei Fragen:

  • Warum sollte man Web 2.0 Werkzeuge in der Berufsschule behandeln?
  • Eignen sich Web 2.0 Werkzeuge für die berufliche Bildung überhaupt?
  • Wie könnte man sie sinnvoll einsetzen?

Ich glaube, wenn diese Fragen geklärt sind, kann man für sich erst entscheiden, ob man Web 2.0 in der Berufsschule thematisieren möchte oder nicht. Sollten die Fragen positiv ausfallen muss man sich natürlich auch überlegen wie man selber zum Thema Web 2.0 steht und ob dieses Thema einem liegt. Für mich muss ich insofern vorsichtig sein, da ich recht begeistert von den Möglichkeiten die, u. a. RSS-Feeds, Wikis, und Blogs bieten können bin. Ein gewisser Halo-Effekt lässt grüßen.
Da ich mich schon eine Weile mit dem Thema beschäftigt habe stelle ich gleich zum Anfang hin meine drei Thesen bezogen auf die oben genannten Fragen auf.

  1. Durch die steigende Bedeutung des Web 2.0 sollte das Thema auch in der beruflichen Bildung thematisiert werden!
  2. Kompetenzen lassen sich hervorragend mit Web 2.0 Tools entwickeln!
  3. Mit Hilfe von Weblogs kann die Kommunikation zwischen Auszubildenden, den Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule (im dualen Bildungssystem) mit wenig Aufwand realisiert werden.

Diese Thesen werde ich im einzelnen versuchen zu untermauern. Beiträge folgen…
Und wer Interesse hat sich in meinen Quellen umzuschauen, kann dies gerne in meinem Netzwerk oneviewBS20 bei oneview tun.

Why do I blog this?: Kurz und knapp, zu meiner Vorbereitung auf die ALK-Prüfung.

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Eingeordnet unter Berufsbildung, Web 2.0

Förderrichtlinien zum Einsatz von Web 2.0 Technologien in der beruflichen Qualifizierung

foraus.de

Es kommt Bewegung bezüglich von Web 2.0 Technologien in der beruflichen Weiterbildung und der dualen Berufsausbildung. Am 12.02.2008 meldet das Forum für AusbilderInnen, dass das BMBF Richtlinien zur Weiterentwicklung und zum Einsatz von Web 2.0 Technologien in der beruflichen Qualifizierung erlassen hat. Damit werden Projekte vom Bund gefördert, die zum Ziel haben, Web 2.0 Technologien für die berufliche Qualifizierung zu erschließen.

Bausteininhalte

Des Weiteren bietet das Forum für AusbilderInnen ein Lernmodul für „neue Internettechnologien in der Ausbildung“ an. Dort kann man erste Eindrücke über die Möglichkeiten von Web 2.0 Werkzeugen bekommen. Sehr interessant sind auch die Anwendungsbeispiele von Wikis, Podcast und Blogs aus unterschiedlichen Berufsfeldern.

Ergänzung am 10.03.08

Zum Förderprogramm gibt es natürlich auch die passende Pressemitteilung vom BMBF, bzw. von Frau Schavan.

Ergänzung am 11.03.08

Das Bundesinstitut für Berufsbildung ist Ausrichter einer Fachtagung mit dem Themenkomplex  „Digitale Medien in der Berufsbildung. Konzepte, Erfahrungen und Perspektiven zur Lernortkooperation“ Die Tagung findet vom 29.04.08 bis zum 30.04.08 in Bonn statt.

Why do I blog this?: Informationen zum Einsatz von Web 2.0 Werkzeugen in der beruflichen Bildung sind rar. Noch seltener sind Anwendungsbeispiele von Wikis, Podcasts und Weblogs in der beruflichen Bildung. Umso wichtiger finde ich die Verbreitung dieser Themen. Außderem passt der Beitrag sehr gut zu meinem ALK Thema.

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