Web 2.0 in der Berufsschule (IV)

Kompetenzen lassen sich hervorragend mit Web 2.0 Tools entwickeln!
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Diese These ist nicht mehr so eindeutig zu beantworten. Es gibt mit Sicherheit auch unterschiedliche Auffassungen dazu. Ich stütze mich in erster Linie auf das Buch von John Erpenbeck und Werner Sauter: Kompetenzentwicklung im Netz; New Blended Learning mit Web 2.0. Das Buch ist meiner Meinung nach sehr strukturiert aufgebaut. Das erste Kapitel gibt einen Überblick darüber was das Buch will. Der zweite Kapitel beschäftigt sich mit den Grundlagen, was denn Kompetenzen, Werte, Wissen, Qualifikationen sind und wie sie vermittelt werden. Zu der Kompetenz- und Wertevermittlung werden mehrere Konzepte vorgestellt. Kapitel drei zeigt die Potentiale und Philosophie der Kompetenzvermittlung von Web 2.0-Instrumenten auf und schließlich wird im vierten Kapitel Kompetenzentwicklung im Netz mit Blended Learning und Social Software vorgestellt. Zwei weitere Kapitel über Kommunikationsinstrumente im Netz und Kompetenzentwicklungssysteme mit Blended Learning und Social Software (KOBLESS) folgen noch.

Wer sich im Netz nach Anwendungen von Web 2.0 Werkzeugen in der Schule umsieht, findet in erster Linie technische Hinweise, wie z.B. Wikis, Blogs, Podcasts erstellt werden. Nur selten habe ich, wie auch Werner Prüher in seinem Artikel Wikis in der Berufsschule (Teil 5), Anwendungsbeispiele die auch noch didaktisch begründet sind gefunden. Daher ist das Buch von Erpenbeck und Sauter durchaus demjenigen zu empfehlen, der sich in die Grundlagen einarbeiten möchte, um sich rechtfertigen zu können warum er denn Web 2.0 Werkzeuge im (Berufsschul-) Unterricht einsetzt. Ebenso sei die Diplomarbeit von Werner Prüher (lernen heute) empfohlen.

Im weiteren werde ich punktuell Stichworte aufgreifen, die ich für eine Kompetenzentwicklung im Netz für wichtig erachte. Dabei lasse ich mich von der gegebenen Buchstruktur leiten und ergänze sie gegebenenfalls.

Ausgang:

Die gedankliche Verkürzung des Lernens auf die Aneignung von Sach- und Fachwissen, von Fertigkeiten und Qualifikationen ist eine folgenschwere Bürde für unser heutiges Lernen- und Zukunftsverständnis. Sie entstand im großen Umfang mit der hoch arbeitsteiligen industriellen Produktion in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und mit der „Zurichtung“ des Menschen für diese Produktion, als Rädchen im industriellen Getriebe, bis hin zum Handgriffautomaten im Taylorismus. Trotz aller reformpädagogischen Bestrebungen, aller wahrlich kompetenzorientierten Ansätze der Montessori und Co. blieb dieses verkürzte Lernverständnis lange, ja weitgehend bis heute erhalten: Der Lehrer füttert die Lernenden mit Wissensbröckchen bis zur Übersättigung; vieles davon wird unverdaut ausgeschieden, einiges davon als Wissensspeck abgespeichert.

(Quelle: Erpenbeck, Sauter, 2007 S. 1)
Was sind Werte?

Wert(e) ist ein in der Philosophie verwendeter Begriff und wird u. a. in der Wertphilosophie und Wertethik behandelt. Werte bestimmen die Bevorzugung einer positiven Handlung vor einer anderen auf Grundlage von Gründen, Normen, Ergebnissen einer (vorherigen, positiven) Handlung. Die Handlungen beziehen sich auf einen Gegenstand, eines Sachverhaltes oder einem andere(n) Wert(e).

Werte bestimmen unser Denken und Handeln in nahezu allen Situationen. Der Mensch richtet sich, oft mehr ahnend als wissend, danach, welchen Genuss, Nutzen, welches ethische Gefühl oder welche politische Bestärkung ihm sein Handeln zu vermitteln vermag. Ohne Werte wäre der Mensch nur ein wissensgesteuerter Automat. Einige grundlegende Bedeutungen von Werten sind:

  • Werte sind Bezeichnungen dafür, „was aus verschiedenen Gründen aus der Wirklichkeit (Realität)hervorgehoben wird und als wünschenswert und notwendig für den auftritt, der die Wertung vornimmt, sei es ein Individuum, eine Gesellschaftsgruppe oder eine Institution, die einzelne Individuen oder Gruppen repräsentiert.“ Werte sind Resultate aus „Werteprozessen“.
  • Werte verknüpfen das Beziehungsfeld Objekt der Wertung, Subjekt der Wertung, Grundlagen der Wertung und die Maßstäbe der Werte. Das Resultat dieser Verknüpfung ist wiederum ein Wert.
  • Es gibt eine Fülle von Werten die sich auf die Wertung von Genuss (hedonistisch), Nützlichkeit (utilitarisch), Schönheit (ästhetisch), Moral (ethisch-moralisch), Politik (politisch-weltanschaulich) beziehen können.
  • Werte werden im Konstruktivismus und in der Synergetik beschrieben. „Die Synergetik fasst Werte als Ordnungsparameter (Ordner) individuellen und sozialen Handelns unter der dargelegten prinzipiellen kognitiven Unsicherheit auf.BildungsWiki

Eine (diese) Begriffsbestimmung habe ich auch auf dem BildungsWiki eingestellt. Wer mag kann ihn gerne ergänzen.

Warum sind Werte für die Kompetenzbildung wichtig?

Das lässt sich kurz (aber plakativ) beantworten: Ohne Werte gibt es kein kompetentes Handeln! Werte sind unsere sogenannten Ordner. Nach ihnen richten wir unser Handeln. Wollen wir unser Handeln ändern, brauchen wir neue oder angepasste Werte. Um bewerten zu können, ob man Kompetenzen mit Web 2.0 Werkzeugen erlernen kann, muss man verstehen wie man sich generell Kompetenzen aneignet und was Kompetenzen überhaupt sind. Und wenn es ohne Werte kein kompetentes Handeln gibt muss man verstehen, was Werte sind und wie man sie lernt und lehrt . (Erpenbeck, Sauter, 2007 S. 22)

Wie eignet man sich Werte an? (Modelle der Wertaneignung)
Es gibt verschiedene Modelle wie Menschen sich Werte aneignen, bzw. sich alten Werten entledigen und neue Werte annehmen. Dazu gehören folgende Modelle, die ich nur aufführe aber nicht weiter im Detail beschreibe:
  • Wertaneignung unter allgemeinphsychologischer Betrachtung,
  • Wertaneignung nach der Psychotherapieforschung,
  • Wertaneigung mit Gruppendynamik.

Um zu verstehen, wieso Werteaneignung für die Kompetenzbildung wichtig ist muss man den Interiorisations- und Exteriorisationsprozess (auch Internalisierung) von Werten verstehen. Dazu habe ich aus Erpenbeck, Sauter, 2007 S. 60f diesen Prozess nachvollzogen.

Interiorisationsprozess

Orientierungsphase 1:
im Ausgangspunkt steht ein Konflikt indem man einen „alten“ Wert überprüft, ob er in einer neuen Situation übernommen werden kann. Man kann diese Konflikte aufteilen in: Gegenstandskonflikte, Partnerkonflikte, Gruppenkonflikte und Sozialkonflikte.
Orientierungsphase 2:
Die Probleme/Konflikte werden als Widerspruch in der eigenen Wahrnehmung, Urteilsbildung im Denken, Lernen und Kommunizieren wahrgenommen.
Unzufriedenheitsphase:
Der Widerspruch führt zu einer psychischen Labilisierung, zu einer kognitiven Dissonanz oder auch inneren Widerspruch. Hier liegt eine zentrale Bedeutung für echtes Lernen! Diese notwendige Dissonanz ist der Motor fürs Lernen. Je größer die Dissonanz je größer sind die damit verbundenen Emotionen und je tiefer geht der Internalisierungsprozess.
Lösungsphase 1:
Durch Konflikte entstehen Emotionen und Motivationen. Kognitive Inhalte werden stets emotionalen Aspekten gespeichert. Sie sind ebenfalls unverzichtbar für den Internalisierungsprozess.
Lösungsphase 2:
Beinhaltet die Änderung oder Entstehung neuer emotional-motivationaler Wertungen.
Produktivphase:
Testweise werden adaptiv oder neu entstandene Wertungen durch Kommunikation oder physisches Handeln ausprobiert.
Beendigungsphase:
Das Resultat wird als Wert in der Kommunikation oder im physischen Handeln übernommen oder es kommt wiederum zu einem neuen Konflikt der seinerseits als Ausgangspunkt des Interiorisationsprozesses steht.
Was sind Kompetenzen?

Es besteht ein Konsens der meisten Autoren darüber, dass keine allgemein verbindliche Definition von Kompetenz vorliegt und es auch verfehlt wäre, ein einheitliches Verständnis, verbindliche Bestimmung und entsprechende Messverfahren zu erwarten.

Definition von Peter Kappelhoff:

„Kompetenzen sind evolutionär entstandene, generalisierte Selbstorganisationsdispositionen komplexer, adaptive Systeme – insbesondere menschlicher Individuen – zu reflexivem, kreativem Problemlösungshandeln in Hinblick auf allgemeine Klassen von komplexen, selektiv bedeutsamen Situationen (Pfade).“

Nach Erpenbeck/Sauter kann man gar einen Kompetenzatlas aus vier Grund- oder Basiskompetenzen entwickeln (Erpenbeck, Sauter, 2007 S. 71):

-Personale Kompetenz sind reflexiv in Bezug auf seine eigene Person,
-Aktivitätskompetenz; mehr oder weniger aktiv,
-Fachlich-methodische Kompenz, in Bezug auf Sachverhalte,
-Sozial-kommunikative Kompetenz, in Bezug auf Andere.

Aus diesen vier Basiskompetenzen lässt sich ein Kompetenzatlas mit 64 Kompetenzbegriffen entwickeln. Dies dient dazu um einen sinnvollen Überblick über die Fülle an teilweise degenerierten Kompetenzbegriffen zu bekommen. (Erpenbeck, Sauter, 2007 S. 72f) Kompetenzen sollen in der Bildung auch messbar sein, um Entwicklungen bei Schülern, Studenten oder Mitarbeitern zu erkennen. Bzw. liegt es auch im eigenen Interesse seine Entwicklung zu erkennen (Feedbackinstrument).

Speziell unter Handlungskompetenz versteht man wie in den einzelnen Rahmenlehrplänen der Ausbildungsberufen erläutert und somit von der KMK definiert:

„Diese wird hier verstanden als die Bereitschaft und Fähigkeit des einzelnen, sich in gesellschaftlichen, beruflichen und privaten Situationen sachgerecht, durchdacht sowie individuell und sozial verantwortlich zu verhalten.“

Wie können mit Social Software Kompetenzen vermittelt werden?

Es kommt darauf an, mit welcher Social Software man arbeitet. Entscheidend ist immer dabei das Dissonanz-/Labilisierungspotential der Werkzeuge. Vier Instrumente mit ihren Dissonanz-/ Labilisierungspotential (nach Erpenbeck, Sauter, 2007, S.141 f.) habe ich unten in einer Tabelle aufgelistet. Noch einmal zur Erinnerung werden im Prozess der Wertevermittlung (Interiorisationsprozess, Internalisierung) immer auch Kompetenzen vermittelt. Der Hebel liegt dabei in der Unzufriedenheitsphase (Labilisierung). Das kann man sich so vorstellen: In einer Kommunikation kann eine Dissonanz oder mehrere Dissonanzen intern (im Individuum) oder extern auftreten. Da die Dissonanz gleichzeitig auch eine Motivation / Emotion auslöst versucht die Person wieder ein Gleichgewicht herzustellen indem es nach neuen Werten sucht. Siehe, wie eignet man sich Werte an? Die unterschiedlichen Web 2.0 Instrumente sprechen unterschiedliche „Wertesysteme“ an, die mit den Grundkompetenzen korrelieren.

Web-2.0-Werkzeuge

Die einzelnen Instrumente unterscheiden sich teilweise sehr stark in ihren Möglichkeiten. Zum Beispiel bietet oneview gegenüber del.ico.us meiner Meinung nach bessere Kommunikationsmöglichkeiten, somit eignet sich oneview besser für den Bildungsbereich. In Zukunft ist aber damit zu rechnen, das diese Instrumente weiter entwickelt werden und demzufolge nach und nach immer besser den Lernprozess begleiten können.

Wikis

Ich möchte hier nur das Wiki anreißen. Tim Schlotfeld weißt ebenso darauf hin, das sich Wikis hervorragend zur Wissensgenerierung eignen. Wikis sind besonders prädistiniert für die Basiskompetenzbildung im sozial-kommunikativen Bereich allerdings haben sie, wie man aus der Tabelle entnehmen kann, durchaus Potentiale in den anderen Kompetenzbereichen. Wer schon einmal versucht hat in Wikipedia einen Artikel zu schreiben weiß um die Komplexität dieses Vorganges (Vergleiche hierzu auch den Artikel: Ein Eintrag in der Enzyklopädie Wikipedia: Wie geht das eigentlich? von Helge Städtler). Man muss sich mit anderen Autoren auseinander setzen, diskutieren, Regeln einhalten. Dabei wird die Internalisierung häufig durchlaufen.

Es gilt nun passende Web 2.0 Werkzeuge für die gezielte Förderung von Kompetenzen ein zu setzen. Dabei ändert sich der Lernprozess grundlegend von dem was man bisher in der Schule kennt. Es gilt nun Wege zu finden diese modernen Lernmethoden für den Bildungsbereich nutzbar zu machen. Dazu gibt es im nächsten Beitrag ein oder zwei Beispiele….

Why do I blog this? Als Vorbereitung für meine ALK. Irgendwie habe ich aber nun auch das Gefühl, dass dieser Beitrag einfach zu lang ist. Ich glaube das wird sich kein Mensch durchlesen. Daher muss ich zusehen meine nächsten Artikel kürzer zu fassen.

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Berufsbildung, Web 2.0

3 Antworten zu “Web 2.0 in der Berufsschule (IV)

  1. Nein, der Artikel ist nicht zu lang. Ein für mich interessanter und umfangreicher Beitrag, zumal sich der (Werte-)Wandel von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft im Bildungssystem bisher kaum durchgesetzt hat und Wikis/Weblogs ein erstes Tool sind, diesen Wandel zu vollziehen, weil sie ansonsten als völlig unnütz erscheinen. Wer auch nur ansatzweise frontal mit Wikis unterrichten will, der gibt nach wenigen Stunden völlig frustriert auf.

    „Labilisierungspotential“ ist ein sehr treffender Ausdruck, wenn man das erste Mal mit Hilfe eines Wikis oder Weblogs unterrichtet und seine Methodik völlig neu überdenken muss 😉

  2. ths

    Hallo Werner,

    das ist schön zu hören, wenn sich jemand doch für den Artikel interessiert. 🙂 Ich habe zwar wie Du noch keinen Unterricht mit Wikis gestaltet aber bin auch der festen Meinung, das ein Gleichschrittunterricht nicht möglich ist. Da wüsste ich noch nicht einmal wie das technisch funktionieren soll. Selbst das Anmelden im Wiki ist da schon eine Herausforderung. Eine ähnliche Herausforderung hatte ich beim Anmelden eines Semesterblogs (QUARKBLOB siehe Sidebar) wo ich (nur) 14 Studenten hatte, die sich eintragen sollten. Der Prozess gestaltet sich aufwendiger als geplant.
    Daher wage ich noch eine andere Prognose und zwar machen Wikis und Weblogs nur dann Sinn, wenn man ständig und regelmäßig damit arbeitet. Also nicht nach dem Motto: „Heute machen wir mal ein Wiki!“ Ich denke jeder heute ist noch vom 08-15 Unterricht so geprägt, dass das Arbeiten mit diesen Werkzeugen ein echtes Umdenken erfordert. Sowohl bei den Schülern und Lehrern, als auch bei den Verantwortlichen, die die Rahmenbedingungen vorgeben. Soll man Web 2.0 Werkzeuge ernsthaft im Unterricht einsetzen funktioniert der Marschbefehl im Unterricht nicht mehr. (Nach meiner Meinung war war diese Gleichmacherrei schon immer absurt.)
    Mit dem Begriff Labilisierungspotential bin ich mir nicht sicher, ob er so angekommen ist, wie er gemeint war. Die Labilisierung ist aber nach Sauter und Erpenbeck zwangsläufig wichtig, um sich generell mit neuen Werten zu beschäftigen, dazu müssen erst die alten Werte labilisiert werden.

    Gruß
    ThS

  3. Pingback: eLearn.ch - Blog » Blog Archiv » Kompetenzentwicklung mit Moodle und interactive Whiteboards?

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