Kompetenzvermittlung in der Physikstunde

Einen kleinen Zwischenartikel konnte ich mir wiederum nicht verkneifen. Gefunden in Erpenbeck, J. , Sauter, W.: Kompetenzentwicklung im Netz, New Blended Learning mit Web 2.0. Köln, 2007, S. 83.

„…Der Schüler, der in der Physikstunde mit unverständlichem, ihm langweiligen Formelkram behelligt wird, erwirbt zwar keine Fachkompetenz, nicht einmal länger haftendes Wissen, aber er erwirbt personale Kompetenzen, indem er sein Selbstwertgefühl gegenüber der quälenden Demütigung aufrecht erhält, er erwirbt aktivitätsbezogene Kompetenzen, indem er lernt, mit seinen Kräften gut hauszuhalten und in der Stunde so weit wie möglich abzuschalten, er erwirbt fachlich-methodische Kompetenzen, indem er Vermeidungsstrategien für Themen verinnerlicht, die ihn langweilen und er erhöht seine sozial-kommunikativen Kompetenzen, indem der sich mit vielen nichtssagenden Worten in Prüfungssituationen durchmogelt. Nur die Kompetenz, physikalische Probleme interessant zu finden, selbstständig und mit Spaß anzugehen und kreativ zu lösen, also das, was eigentlich beabsichtigt war, erwirbt er in keiner Weise.

Es ist eines der größten Probleme traditionellen Unterrichts in der Schule, teilweise auch universitärer Vorlesung, das viel Wissen und wenig Kompetenzen vermittelt werden. …“

Why do I blog this?: Ich glaube dieser Absatz von Erpenbeck und Sauter trifft den Nagel auf den Kopf. Ob man sich das als Lehrer anhören möchte oder nicht, es spiegelt die Situation gut wieder. Ich habe sie zumindest größtenteils in meiner Schul- und Studienzeit so erlebt. Es ist ein klar definiertes Ziel von mir genau aus dieser Situation heraus zu kommen.

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Pädagogik, persönliches, Physik, Physikdidaktik

3 Antworten zu “Kompetenzvermittlung in der Physikstunde

  1. Danke! Du sprichst mir aus der Seele. Das einer der Gründe weshalb ich Physik unterrichten will. Leider wurde mir dazu in meinem Studium fast nichts mitgegeben. „Neue“ Ideen wie von Wagenschein oder dem Karlsruher Physikkurs wurden nur am Rande erwähnt. Falls es noch mehr gibt ist das wohl nur für die Ohren von Hauptfachstudierenden bestimmt um einen Nebenfachler wie mich ob seiner Wahl zu bestrafen.

  2. ETiTho

    Leider ist das was dort geschrieben wird genau das, was der Durchschnittsschüler über Physikunterricht denkt. Wenn man sich jedoch für Physik interessiert übersteht man auch die eine oder andere Stunde mit langweiligen Formeln, weil man weiß, dass wieder spannenderes Zeug kommt, oder weil langweilige Formeln manchmal lustige Anwendungen haben. So Sind die Ideen für die meisten Artikel in unserem Blog in irgendwelchen Physikstunden entstanden, indem wir das aktuelle Thema ins lächerliche überzogen haben 🙂
    Aber alles in allem kommt es schon sehr auf den Lehrer an, ob er seine Schüler für Physik begeistern kann, jedoch gehen manche Schüler und Schülerinnen von vorne herein mit der Haltung zu Physik „Ihhh das mag ich doch ehh nicht“.
    Gruß
    ET

  3. ths

    @highwaystar42: Ich glaube das ist wohl der Wunsch der meisten angehenden Lehrer und Lehrerinnen und mir geht es genauso. „Wenn ich unterrichte wird alles ganz anders und zwar besser!“ Und wenn man dann die Granitmauer vor sich hat ist man bodenlos enttäuscht. Um dieser Enttäuschung ein wenig vorzubeugen möchte ich nach und nach ein Netzwerk aufbauen, indem man sich als Lehrer austauschen kann, gemeinsam ggf. Unterrichtseinheiten oder Ideen entwickelt wie man dieses oder jenes Problemchen lösen kann. Schau doch mal in mein Netzwerk „Der Physiklehrer“ bei oneview nach, dort kannst Du schon einige interessante Links für Physiklehrende finden. Und ein Blogbeitrag über Netwerke für Lehrer kommt mit Sicherheit auch noch, versprochen!
    @ETiTho: (Oh man, diese Abkürzung muss ich erst üben, bevor ich sie flüssig tippen kann 😉 ) Schön Dich hier auf meinem Blog zu sehen!
    Es gibt wohl immer eine Minderheit, die man mit einem noch so schlechten Unterricht über ein Thema nicht vergraulen kann. Dein Interesse an Physik kommt mit Sicherheit nicht von einem guten Physikunterricht, sondern wohl aus einem anderen Lebensbereich (Zum Glück gibt es die ja auch noch!). Was ich auch glaube ist, dass es wichtig ist Unterricht auf die „Erlebniswelt“ der Schüler abzustimmen (dies hat Galilei schon getan). Für mich hoffe ich das ich nie so eine „Betriebsblindheit“ bekommen werde.
    Große Worte, ich weiß!

    Gruß
    ThS

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